Elle

Drama/Thriller, F/D/B 2016

Michele reagiert ganz anders als erwartet auf die Vergewaltigung

Paul Verhoevens Arthouse- Streifen schockt mit brutalen Szenen und lässt Isabelle Huppert auf einen Oscar hoffen

Darum gehts in ‚Elle‘:

Die Leinwand ist dunkel, nur Kampfgeräusche und das qualvolle Stöhnen einer Frau sind zu hören. Der Blick fällt auf eine Katze, die mit großen Augen auf etwas starrt. Man ahnt es schon, es kurz darauf zu sehen, ist trotzdem nicht einfach: Eine Frau wird äußerst brutal in ihrem eigenen Haus am helllichten Tag vergewaltigt. Danach haut der Täter ab. Die Frau kehrt ungerührt die Scherben zusammen, nimmt ein Bad und bestellt sich Sushi. Reagiert man so auf eine Vergewaltigung? Zumindest geht Michèle Leblanc (Isabelle Huppert) so mit dem Horror-Erlebnis um.

Die unverwüstliche Geschäftsfrau leitet mit ihrer besten Freundin Anna (Anne Consigny) eine große Videospielfirma. Ihr Geld scheffelt sie damit, dass junge Programmierer die gestörten männlichen Sexfantasien von Gamern bedienen. Ihren Erfolg verdankt sie ihrer skrupellosen und rücksichtslosen Arbeitsweise. Genauso tough wie im Berufsleben ist Michèle auch im Liebes- und Privatleben. Ihr Verhalten erklärt sich schnell: Ihre Mutter (Judith Magre) war und ist sexuell viel zu aufgeschlossen; ihr Vater ist ein verurteilter Serienkiller. Außerdem hat sie einen extrem labilen Sohn (Jonas Bloquet) und einen herrschsüchtigen und gewalttätigen Ex-Mann (Charles Berling). Der Angriff auf sie ändert alles - und auch wieder nichts. Denn anstatt zur Polizei zu gehen, sucht Michèle, die von ihrem Vergewaltiger auch noch gestalkt wird, auf eigene Faust nach dem Täter. Als sie diesen schließlich (recht schnell) findet, gerät sie in ein gefährliches Spiel, das bald außer Kontrolle gerät ...

Unsere Meinung zu ‚Elle‘:

Der Psychothriller basiert auf dem Roman Oh... des französischen Autors Philippe Djian. Regie führte der Niederländer Paul Verhoeven, dessen Hits RoboCop, Total Recall und Basic Instinct schon über 20 Jahre zurückliegen. Jetzt kehrt er mit diesem Rape-Revenge-Arthouse-Streifen zurück. In Elle zeichnet er ein modernes Porträt einer Single-Frau, die sich nicht nach Mr. Right sehnt, sich nicht als Opfer sieht, sondern ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit führt - und sich nimmt, was sie will. Und was genau das ist, macht die Faszination des Films endgültig perfekt Die vielen Wendungen, Parallelhandlungen und eigenartigen Figuren lassen einen geschockt und ebenso gebannt auf die Leinwand blicken. - Und dann ist der Film trotz der argen Thematik stellenweise auch noch lustig.

Der Erotikthriller wurde 2016 auf den Filmfestspielen im Cannes-Wettbewerb uraufgeführt, gewann zwei Golden Globes (bester nicht-englischsprachiger Film und beste Hauptdarstellerin) und heimste eine Oscarnominierung in der Kategorie beste Hauptdarstellerin ein. Völlig zu Recht, denn das größte Lob gebührt in diesem Werk Isabelle Huppert (Die Klavierspielerin), die ihrer rätselhaften Rolle durch ihr hervorragendes und intensives Spiel uneingeschränkte Glaubwürdigkeit verleiht.

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