Einst süße Heimat

Dokumentation/ , A 2006
Johann Schuff ging mit 17 zur Waffen-SS

Johann Schuff ging mit 17 zur Waffen-SS

Gerald Igor Hauzenbergers "Einst süße Heimat" ist ein Film über Angehörige einer aussterbenden Minderheit in einem alten Kulturland Europas: die Siebenbürger Sachsen und die Landler von Transsylvanien. Glockenschläge, tickende Uhren und die ablaufende Zeit und eine schwere Stille kennzeichnen den Film.

Der Doku-Streifen porträtiert zwei der letzten noch lebenden deutschsprachigen Landler und Sachsen im rumänischen Transsylvanien: Johann Schuff, der auf einem kleinen verfallenen Bauernhof in Neppendorf wohnt, mit 17 zur Waffen-SS ging und diese Zeit als seine Richtschnur behalten hat. Maria Huber (85), eine der letzten Landlerinnen in Sibiu, die nicht für die Nazis war und dennoch für Jahre in die Sowjetunion deportiert wurde, weil sie Volksdeutsche war.

Johann Schuff hat seit 1945 offenbar nichts mehr verstanden. Er bestreitet die Gaskammern, weil er meint, "der Hitler hätte niemals etwa so ineffizientes, teures verwendet. Da nimmt man doch eine Kugel oder ein Gift" und der gleichzeitig alles verflucht und sagt: "Die Menschen sind eine Brut".

Es ist die Tragik eines alten Mannes, der im Rassendünkel gefangen ist, der erklärt, mit Zigeunern und Rumänen könne man nichts anfangen und dennoch mit den Roma-Nachbarskindern lernt und mit einer der jüngeren ein Verhältnis hat, zum Preis, dass diese Familie einmal seinen Hof bekommen wird. Geblieben ist ihm nichts, woran er glauben kann. Mit den Nazis hat er es versucht, mit den Kommunisten auch und schlussendlich ist er zum Zweifler an Gott und zum Nihilisten geworden.

Maria Huber ist das schelmische Pendant zu Johann, der stets einen traurigen Blick hat. Sie hat das Leben als einen schlechten Witz erkannt und wohl beschlossen, sich mit einem guten Maß an Ironie und Humor damit abzufinden. Stolz zeigt sie den Grabstein ihrer Eltern in Sibiu, dem alten Hermannstadt und der heurigen EU-Kulturhauptstadt, auf dem schon ihr eigener Name und das Datum 19.. als Todesdatum prangt. "Habe nicht gewusst, dass ich so alt werde", lächelt sie, setzt sich auf die angrenzende Grabplatte - und wartet: "Ich könnte schon tot sein. Das würde mir nichts ausmachen."

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