Einsamkeit der Primzahlen

Drama, I/D/F 2010
Alice und Mattia fühlen sich miteinander verbunden

Alice und Mattia fühlen sich miteinander verbunden

Es gibt Menschen, die einfach einen schlechten Start ins Leben haben. Wie bei Alice und Mattia in der Besteller-Verfilmung "Die Einsamkeit der Primzahlen" von Saverio Costanzo, einem verstörenden und beklemmenden Film über zwei Menschen, deren komplettes Leben von nur einem schicksalhaften Moment in ihrer Kindheit bestimmt wird.

Alice (Alba Rohrwacher) wird von ihrem Vater gegen ihren Willen und trotz widrigster Wetterbedingungen auf die Skipiste gedrängt. Sie stürzt und verletzt sich so stark, dass sie für den Rest ihres Lebens humpeln muss und vor allem das Vertrauen in ihren Vater und in die Welt verloren hat. Versagte Freundschaften, das Gefühl vollkommener Verlassenheit bis hin zur Magersucht bestimmen ihr Leben. Für Mattia (Luca Marinelli) war es der Moment, als er seine behinderte Zwillingsschwester im Park zurückließ, um alleine für wenige Stunden zu einer Kindergeburtstagsfeier zu gehen. Seine Schwester tauchte nie wieder auf, eine Schuld, die er sein Leben lang nicht ablegen kann.

Als Jugendliche treffen die beiden aufeinander, fühlen sich in ihrer Einsamkeit und Ausgegrenztheit von einander angezogen, verbunden, bleiben aber aussichtslos unverbunden, die - wie der Titel suggeriert - wie zwei Zwillingsprimzahlen zusammen gehören, aber eben doch nicht miteinander vereinbar sind.

Saverio Costanzo erzählt diese tragischen Adoleszenzgeschichten auf vier Zeitebenen, ohne dabei zu verwirren und doch fühlt sich der Zuschauer verloren. Es sind die düsteren Bilder und Szenarien durchbrochen von gellenden Weißlichtblitzen, die stets aufwühlende Musik, die diesen Film so beklemmend machen. Mattia wohnt mit seinen Eltern (nicht einmal Isabella Rossellini als seine Mutter ist dabei ein Lichtblick), in einer dunklen, verschachtelten Wohnung. Alices Mutter sieht der Zuschauer vor allem, wie sie sich selbstverliebt im Spiegel betrachtet.

2008 feierte Autor Paolo Giordano mit seinem Romandebüt "Die Einsamkeit der Primzahlen" einen sensationellen Erfolg, erreichte in weniger als einem Jahr eine Auflage von mehr als einer Million und gewann mit damals 26 Jahren als bisher jüngster Autor Italiens bedeutendsten Literaturpreis Premio Strega. Der Film dürfte es da schon etwas schwieriger haben, ein Massenpublikum anzusprechen.

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