Eine ganz heiße Nummer

Komödie, D 2011
Telefonsex im Supermarkt

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Erzkonservative Bayern und ein Sextelefon: Ein Gegensatz, der erstmal urkomisch klingt. Auch Markus Gollers Komödie "Eine ganz heiße Nummer" spielt mit derartigen Klischees. Für Unterhaltung sorgt allerdings weniger die Geschichte, sondern vielmehr die schauspielerischen Leistungen.

Ein verschlafenes Dorf in Niederbayern, ein strenger katholischer Pfarrer und Sex - das sind die Zutaten für die Komödie "Eine ganz heiße Nummer". Eine Aneinanderreihung von Klischees, so scheint es. Und in der Tat bedient der Film Vorurteile, die viele gegenüber einem Dorf im Bayerischen Wald haben. Hinter schmucken Fassaden wird getratscht und intrigiert. Sonntags in der Kirche beten alle fleißig. Und nachts spaziert der Pfarrer durch die Gemeinde und achtet darauf, dass seine Schäfchen nicht vom Pfad der Tugend abkommen.

Das gelingt ihm nur bedingt: Denn das fröhliche Damentrio Waltraud (Gisela Schneeberger), Maria (Bettina Mittendorfer) und Lena (Rosalie Thomass) will aus Angst vor der Schließung ihres Tante-Emma-Ladens nun Geld mit Telefonsex verdienen. Nachdem die Zettel mit der kostenpflichtigen "heißen Nummer" erst einmal anonym verteilt sind, wird viel geschmeichelt und gestöhnt - allerdings nur in den Telefonhörer. Die Anrufer können zwischen Sarah, Lolita und Maya wählen. Die eine schnurrt, die andere schimpft und die dritte steht auf tiefsinnige Gespräche. Das Geschäft floriert. Im Maisfeld, mitten im Tante-Emma-Laden und sogar in der Kirche bedienen die Freundinnen ihre liebeshungrigen Kunden. Und bald ist er da, der Skandal - nicht im "Sperrbezirk", sondern mitten in der heilen Dorfidylle.

Die Geschichte hätte gewonnen, wenn ihren Protagonisten mehr zugetraut worden wäre, vor allem mehr Raffinesse und Lebensklugheit. Schließlich geht es auch um wirkliche Probleme, etwa wenn das Dorf in seiner Existenz bedroht ist, weil die nahe Glashütte als großer Arbeitgeber vor der Pleite steht. Dennoch ist mit "Eine ganz heiße Nummer" ein recht unterhaltsamer Film herausgekommen, der stark auf Klischees baut: Die braven Bayern und der verruchte Telefonsex. Sehenswert machen den Streifen vor allem die Hauptdarstellerinnen Schneeberger, Mittendorfer und Thomass.

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