Eine Familie

Drama, DK 2010
Entscheidungen der Zukunft

Entscheidungen der Zukunft

Mit ihrem erst dritten Spielfilm hat sich die Dänin Pernille Fischer Christensen in die Spitzengruppe der europäischen Filmregisseure vorgearbeitet. Wie in ihrem Debüt "En Soap", wofür sie auf der Berlinale 2006 den großen Preis der Jury gewann, fesselt sie mit "Eine Familie" mit einer scheinbar kleinen Geschichte, die den großen Lauf der Welt kraftvoll und gefühlsreich widerspiegelt.

Der Film beginnt als Geschichte einer bedrohten Liebe: Ditte (Lene Maria Christensen), Mitte 30, bekommt einen Job in den USA angeboten. Freund Peter (Pilou Asbæk) rät zu. Da erkrankt Dittes Vater, Hoflieferant Rikard (Jesper Christensen), Dänemarks berühmtester Bäcker, lebensbedrohlich. Ditte bleibt. Was ihr Freund nicht versteht. Der Liebe des Paares scheint deshalb eine heftige Zerreißprobe bevorzustehen.

"Eine Familie" begeistert zunächst dadurch, dass die Geschichte einen ganz anderen Verlauf nimmt, als dieser Anfang vermuten lässt. Die reich verästelte Handlung dreht sich mehr und mehr um ernsthafte Probleme im Umgang mit Krankheit, Sterben und Trauer. Ohne Patentrezepte zu verteilen, blickt der Film dabei besonders auf die Situation der Angehörigen eines Todkranken. "Eine Familie" wagt sich an so heikle Fragen, wie die, ob eine Verweigerung von unentwegter Aufopferung unter Umständen richtig und gut sein kann.

Neben der angenehm ruhigen Fotografie und den erfreulich knappen Dialogen fesseln insbesondere die Schauspieler. Sie wurden von der Regisseurin, die auch am Drehbuch mitgeschrieben und darin eigene Erfahrungen verarbeitet hat, behutsam geführt. Und obwohl nahezu keine Station aus dem ewigen Kreislauf menschlichen Werdens und Vergehens ausgelassen wird, driftet der Film nie ins Sentimentale oder gar ins Kitschige ab. Die feinsinnige Inszenierung, das durchweg ungekünstelte und dabei lebenspralle Schauspiel und die Schonungslosigkeit, mit der die Geschichte dem Tod ins Antlitz bringt, bewahren davor.

In seinen stärksten Momenten erreicht der Film die Kraft der besten Arbeiten Ingmar Bergmans, der beispielsweise in seinen Meisterwerken "Wilde Erdbeeren" und "Fanny und Alexander" ähnlichen Fragen nachging. Allerdings verzichtet Pernille Fischer Christensen auf das Schwermütige und Grüblerische, das alle Filme des schwedischen Regie-Giganten durchzog.

Einige Zuschauer dürften im Kino sicherlich die eine oder andere Träne vergießen. Dennoch entlässt einen dieser Film überaus hoffnungsvoll, ja geradezu optimistisch. Damit wird Pernille Fischer Christensen exzellent genau jenem Leitsatz gerecht, den sie, nach eigener Aussage, während der Arbeit an "Eine Familie" immer im Kopf hatte: "Wer vom Sterben erzählt, muss das Leben feiern."

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