Ein Tick anders

Komödie/Drama, D 2011
Eva lebt mit dem Tourette-Syndrom

Eva lebt mit dem Tourette-Syndrom

Während im Fernsehen und in verschiedenen Printmedien in den vergangenen Jahren relativ viel zum Thema Tourette-Syndrom berichtet wurde, hat sich das Kino bisher zurückgehalten. Der Vorjahreshit "Vincent will mehr" war diesbezüglich ein Pionier. Mit Andi Rogenhagens "Ein Tick anders" folgt nun eine Komödie voller märchenhafter Elemente.

Ungewollte Zuckungen in Gesicht und Körper und manch heraus geschrienes Schimpfwort übelster Art gehören zu Eva (Jasna Fritzi Bauer) wie zu anderen ein Lächeln oder blonde Haare. Die 16-Jährige leidet nämlich an dem Tourette-Syndrom. Die Familie geht recht locker damit um. Nur in der Öffentlichkeit, etwa wenn Eva zwanghaft und ungewollt einen Busfahrer beschimpft, wird es manchmal schwierig. Doch die quicke Jugendliche kommt auch damit zurecht. Als ihr Vater seine Arbeitsstelle verliert und ankündigt, dass die Familie nach Berlin ziehen wird, versucht Eva alles, um ihre vertraute Welt nicht verlassen zu müssen - allen voran ihre geliebte Oma (Renate Delfs). Das ist nur mit einer größeren Geldsumme möglich, also beschließt Eva eine Bank zu überfallen. Als Komplize will sie ihren Onkel Bernie (Stefan Kurt) einspannen, den einzigen in der Familie, der über etwas kriminelle Energie verfügt...

Regisseur Andi Rogenhagen, der auch das Drehbuch geschrieben hat, bietet geradezu ein Feuerwerk an lautem und leisem Humor auf, um die Geschichte voranzutreiben. Ohne die durchaus komplizierte Lebenssituation von Eva je zu verniedlichen, gelingt es ihm, einen lockeren Erzählton zu bewahren. Dazu trägt wesentlich der kluge Einfall bei, die Story als Märchen zu entwickeln. So sind denn Dinge und Ereignisse möglich, die in der schnöden Realität nie vorkommen.

Besonders interessant ist ein Kniff, der in vielen anderen Filmen nicht funktioniert, hier aber geradezu brillant das Publikum ins Geschehen einbindet: Eva redet über einen Kommentar, mit dem sie manches Ereignis begleitet, gleichsam direkt mit den Zuschauern. So ist man denn auch ganz an der Seite der Jugendlichen, wenn sie schließlich verschmitzt und selbstbewusst einen höchst anarchisch anmutenden Pop-Song zum Besten gibt.

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