Ein Pferd auf dem Balkon

A 2012
Ein Pferd, ein Bub und jede Menge Aufregung

Ein Pferd, ein Bub und jede Menge Aufregung

Der Weihnachtsfilm "Ein Pferd auf dem Balkon" kommt rechtzeitig zum trüben Wetter ins Kino. Das Drehbuch hat Milan Dor nach dem gleichnamigen Roman seines Vaters Milo Dor verfasst, Regisseur ist Hüseyin Tabak, dessen Dokumentarfilm "Kick Off" im Vorjahr mit dem Publikumspreis und dem Preis der Jugendjury bei der Diagonale 2010 sowie dem Wiener Filmpreis bei der Viennale 2010 ausgezeichnet wurde.

Eines Tages steht ein Pferd auf dem Balkon. Mitten im Gemeindebau - irgendwo in Wien. Und ausgerechnet Mika, der Bub, der sich "schwertut mit anderen", der jeden Tag um genau 14.18 Uhr entweder sein Mittagessen oder einen Tobsuchtsanfall bekommt und der nebenbei ein veritables Mathegenie ist, schaut in einer Winternacht aus seinem Fenster und sieht es. "Das Pferd auf dem Balkon" ist ein schlicht und sensibel erzähltes Stadtmärchen, das zwischen Aspergersyndrom, Rennbahnromantik und dem zwielichtigen Wurschtelprater ein paar ziemlich ungewöhnliche Außenseiter zu Helden macht. Ab Freitag im Kino.

Wie das Pferd auf den Balkon gekommen ist, das erfährt man ganz gemächlich - und überhaupt hat Milan Dor das gleichnamige Buch seines Vaters Milo ohne Eile für den Film adaptiert. Getragen wird die Story um ein ausgedientes Rennpferd, das einem glücklosen Mathematiker beim Spielen zugefallen ist und die Zuneigung eines autistischen Buben erringt, ohnedies von seinen Charakteren. Alle stehen sie am Rand. Mika (Enzo Gaier) hat Aspergersyndrom, und das heißt bei ihm: Er will sich nicht berühren lassen, er kann nicht lügen, er hasst Witze und Überraschungen, er wird immer wieder ziemlich wütend und er ist ein Zahlengenie. Seine einzige Freundin ist Dana (Natasa Paunovic), ein kämpferisches Mädchen, das behauptet, die Tochter eines Maharadscha zu sein - und bald auch Sascha (Andreas Kiendl), der wegen seiner Spielschulden von Ärger verfolgt wird und sich statt des erhofften Rennpferds mit einem lahmen Gaul herumschlagen muss.

Dann ist da noch Mikas Mutter (Nora Tschirner), seine betagte Babysitterin (Bibiana Zeller) und die fiesen Kerle mit dem Schuppen hinter der Hochschaubahn, die bald nicht nur ihrem Schuldner Sascha, sondern auch gleich dem Pferd an den Kragen wollen. Da sind Verfolgungsjagden und Abenteuer am Roulettetisch, da sind Pferdeäpfel am Teppichboden, da ist der erste Schnee, eine feurig-indische Weihnachtsparty (mit Auftritt von Roma-Geigenvirtuose Mosa Sisic) und das Erwachen einer zärtlichen Freundschaft zwischen großen Pferdenüstern und kleiner, autistischer Bubennase. Vor allem wegen der beeindruckenden Leistung des kleinen Enzo Gaier: Ein wunderbar charmantes, erstaunlich kitschfreies Weihnachtsmärchen mit viel Wiener Flair.

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