Ein Leben für ein Leben

Drama/Kriegsfilm, D/USA/IL 2008
Adam wird wie ein Hund gehalten

Adam wird wie ein Hund gehalten

Ein Jahr lang muss er im Zwinger leben und aus dem Napf fressen. Der KZ-Häftling Adam Stein wird erniedrigt wie ein Hund. In einer sehr bedrückenden Szene von "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected" reißt Jeff Goldblum als Häftling auf allen Vieren einem Schäferhund den Knochen aus dem Maul und kaut ihn - vor den Augen eines sadistischen SS-Schergen, gespielt von Willem Dafoe.

Regie bei der Romanadaption führte Paul Schrader ("Ein Mann für gewisse Stunden"), der mit dem Drehbuch zu "Taxi Driver" Kinogeschichte schrieb.  Das Besondere: Israelische und deutsche Schauspieler wie Ayelet Zurer, Joachim Król, Moritz Bleibtreu, Juliane Köhler und Veronica Ferres standen gemeinsam vor der Kamera, so dass sich das Drama auch als Beitrag zur Aussöhnung versteht. Der Film, der schon vor Drehbeginn bei den Berliner Filmfestspielen 2007 vorgestellt wurde, gilt als erste Koproduktion beider Länder, die einen Holocaust-Stoff aufgreift. Er kommt zu einem Zeitpunkt ins Kino, zu dem sich auch andere Regisseure mit dem Nationalsozialismus beschäftigen - wie bei "Operation Walküre" und "Der Vorleser".

Diesmal geht es um das Leben nach dem Holocaust, zentral sind dabei Rückblenden. Was passiert mit Menschen, die den Terror der Nazis überlebt haben, wie können sie das Trauma überwinden? Der 1969 erschienene Roman "Adam Hundesohn" von Yoram Kaniuk versuchte, Antworten zu finden. Im Zentrum steht der Berliner Magier Adam Stein, der in einer Klinik für Holocaust-Überlebende in der Wüste Israels landet, in der die Opfer lernen müssen, mit dem Trauma fertig zu werden. Ein kleiner Junge, der sich für einen Hund hält, hilft ihm dabei zurück ins Leben.

Die Außenaufnahmen wurden in Israel gedreht, die Szenen im Konzentrationslager in Rumänien - am gleichen Set, an dem auch "Der Stellvertreter" entstand. Die Gegenwart liegt im Film in den 1960er Jahren, die Rückblenden sind in "Agfa-Grau" gehalten. Die Musik stammt von Gabriel Yared ("Das Leben der Anderen"). Schrader und sein Kameramann Sebastian Edschmid nutzen besonders Nahaufnahmen, um der Psyche des Ex-KZ-Häftlings näherzukommen.

So beginnt der Film mit Goldblums Gesicht, bei dem ein Auge zur Seite rollt, während das andere still steht - ein Vorgeschmack auf die zum Teil groteske Handlung. Die Klinikszenen erinnern an "Einer flog übers Kuckucksnest". Goldblum ist eine Art Anführer, der einmal sogar mit viel Blut seinen eigenen Tod vortäuscht.

Der 56-jährige Amerikaner kann wie in "Die Fliege" zeigen, was für ein begnadeter Charakterdarsteller er ist, er lebt die Rolle körperlich voll aus. Aus der Reihe der deutschen Darsteller ragt Król als Holocaust-Überlebender hervor. Köhler spielt eine Pensionsbesitzerin, Bleibtreu einen Italiener, Ferres hat eine kleine Rolle als Jüdin im Lager. Die Produzenten legten Wert darauf, die Figuren nicht den Klischees entsprechend zu besetzen.

Während die Romanvorlage auch für ihren schwarzen Humor gepriesen wird, ist Schraders Filmgeschichte fast durchgehend beklemmend. Die Varieté- und Clown-Szenen sind unheimlich, die Gräueltaten im KZ unvorstellbar. Einmal muss Häftling Adam Stein im Lager Geige spielen, während seine Familie in den Tod geschickt wird. Das Ende ist jedoch versöhnlich. "Möge alles, was war, nicht mehr geschehen und alles, was geschieht, nie gewesen sein", heißt es am Schluss.

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