Ein Hologramm für den König

Drama, GB/F/D/USA 2016

Geschäftsmann Alan Clay wurde in die Wüste geschickt

Der viel beschworene Clash of Cultures muss nicht immer als Kampf, sondern kann auch eine befruchtende Horizonterweiterung sein. Diese derzeit in Vergessenheit geratene Weisheit beschwört "Ein Hologramm für den König", der neue Film von Tom Tykwer. Der schickt Superstar Tom Hanks als US-Geschäftsmann in die saudi-arabische Wüste, wo er nicht nur zu sich selbst findet.

Als Vorlage für die zweite Zusammenarbeit von Tykwer und Oscarpreisträger Hanks nach "Cloud Atlas" diente der gleichnamige Roman von David Eggers. Hanks spielt Alan Clay, einen Manager in der Lebenskrise, der von seiner Firma nach Saudi-Arabien entsandt wird, um dem dortigen König die neueste Hologramm-Videotelefonietechnik zu verkaufen. Der Monarch lässt allerdings ebenso auf sich warten wie die Geschäftspartner vor Ort, während Alans Mitarbeiter in einem Zelt inmitten der Wüste ausharren. In dieser Beckett'schen Situation sieht sich der Amerikaner mit einem Land konfrontiert, das ihm in vielem fremd scheint und doch letztlich nur eine Berührung entfernt ist.

So lässt sich Alan mit seinem Fahrer Yousef (Alexander Black) durch den Golfstaat treiben, betrinkt sich im Hotelzimmer, ist Gast auf einer Technoorgie in der dänischen Botschaft und nähert sich sehr langsam der Ärztin Zahra Hakeem (Sarita Choudhury) an, die er wegen einer Zyste aufsuchen muss. Aber eigentlich geschieht in "Ein Hologramm für den König" nicht viel, und das, was Alan begegnet, kommt im ruhigen Fluss des Lebens daher. Hier stellt sich das Werk in die Tradition des Genreklassikers "Lost in Translation".

Viele kleine Geschichtenstränge werden angerissen und ergeben als Mosaik der Einzelstränge doch ein Gesamtbild. Nicht alles wird übererklärt und in Dialogen zerredet, vieles bleibt lakonisch stehen und lässt der Erzählung Raum zum Atmen. Das von Alan zu verkaufende Hologramm ist gewissermaßen die Metapher zum eigentlichen Geschehen, kann die virtuelle Begegnung der Kulturen doch die echte Erfahrung der Menschen nicht ersetzen. Hier lebt der Film zentral von Tom Hanks und seiner Aura. Dem Schauspieler gelingt es, mit seinem Gesicht selbst vermeintliche Slapstickszenen wie eine Einstellung, in der sich sein Gesicht von Verzweiflung auf motivierendes Lachen für die Mitarbeiter wandeln muss oder das Zusammenbrechen mit einem Stuhl, gänzlich unpeinlich zu gestalten.

Die Komik, die nicht zuletzt mit Repetitionen wie bei "Und täglich grüßt das Murmeltier" arbeitet, dient nicht zuletzt als Schmiermittel für den Zuschauer, um die an Absurditäten und durchaus wahrhaftigen Problemen der Globalisierung reiche Handlung leichter schlucken zu können. Schließlich ist abseits der suprakulturellen Perspektive der Film auch das Porträt eines Mannes um die 60, der mit seiner Rolle als Vater einer erwachsenen Tochter hadert, der er das Studium nicht zahlen kann. Und die wunderbar unkitschige, selten gezeigte Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen der Generation 50 Plus.

"Ein Hologramm für den König" schildert letztlich auf vielen Erzählebenen die Begegnung zweier Kulturen, bei der Vorurteile, Klischees und Probleme nicht ausgeklammert, aber mit leichter Hand und im besten Sinne unaufgeregt angegangen werden. Ein locker-sommerlicher Ansatz, der in der derzeit aufgeheizten Stimmung vielleicht genau den richtigen Tonfall trifft.

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