Dumbo

Abenteuer, USA 2019

Dumbo

78 Jahre nach seiner Zeichentrick-Premiere stellt der süße kleine Elefant Dumbo wieder seine großen Ohren in den Wind und steigt im CGI-Remake auf, um in die Herzen des Kinopublikumszu fliegen.

Eigentlich sind Elefanten riesengroß, meist tapsig, fallweise gefährlich und nicht gerade wohlriechend – und trotzdem sind sie immer wieder herziger Mittelpunkt der kindlichen Fantasie und der dazugehörigen Spielzeuge und Bücher: Babar, der Elefant, Benjamin Blümchen, die Elefantenpatrouille aus dem Dschungelbuch oder die Ottifanten aus der Feder von Otto Waalkes beweisen, dass die Rüssler nie aus den oberen Rängen der tierischen Beliebtheitsskala gefallen sind. Begonnen hat alles freilich vor fast 80 Jahren in den US-Kinos. Damals, 1941, lag die Welt im Krieg und sogar Walt Disneys Zeichentrickhelden wie Donald Duck standen nach Eintritt der USA im Dienste von Army und Propaganda. Umso unschuldiger, rührender und wirkungsvoller schlug 1941 der kleine Elefant Dumbo in den Herzen großer, kleiner und ewiger Kinder ein. Mit seinen großen Ohren flog der Außenseiter all dem Spott, der Ausnutzung und Benachteiligung davon, denen er zuvor ausgesetzt war, und triumphierte über seine Quälgeister.

Burton übernimmt

Drei Generationen später wagt sich Disney noch einmal an den bewährten Stoff, allerdings nicht handgezeichnet, sondern in der bewährten Neuauflagenmischung Realfilm und perfekte CGI-Effekte. Weil die Geschichte eigentlich recht dunkel ist, holte man Tim Burton, zuletzt in der Krise gestandener Meister gebrochener Geschichten und Figuren. Und darum geht es diesmal:

In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg haben alle schon bessere Zeiten gesehen – vor allem der kleine Wanderzirkus von Direktor Max Medici (Danny DeVito). Der leidet unter akutem Besucherschwund, eine Attraktion muss her! Also kauft Medici eine schwangere Elefantenkuh. Ein kleiner Babyelefant, der ein paar Kunststücke kann, das ist genau das, was der abgehalfterte Laden braucht. Doch die Enttäuschung ist groß, als der kleine Rüssler zur Welt kommt: Er hat riesige Ohren, die ihn am Laufen hindern. Wie soll so ein kleiner Freak Kunststücke lernen? Aber er war teuer in der Anschaffung, als muss Medici nochmals investieren, und zwar in den Zirkus- und Dressurveteranen Holt Farrier (Colin Farrell). Der ist ebenfalls vom Krieg gebrochen, hat, während er an der Front war, seine Frau und seine Zirkusnummer verloren. Nun soll er mit seinen Kindern Milly (Nico Parker) und Joe (Finley Hobbins) aus Dumbo eine zugkräftige Nummer machen. Mürrisch geht er an die vergebliche Arbeit – bis seine Kinder entdecken, dass Dumbo wegen seiner großen Ohren fliegen kann. Plötzlich ist der kleine Elefant eine große Attraktion, die auch den Unterhaltungs-Großunternehmer V. A. Vandevere (Michael Keaton) auf den Plan ruft. Dumbo soll mit der Trapez- und Luftakrobatin Colette (Eva Green) ein Duo bilden und mit einer gemeinsamen luftigen Nummer zur Weltsensation seines Vergnügungsparks Dreamland werden. Das klingt gut und beginnt auch so. Doch nach und nach zeigt sich, dass unter der glänzend-bunten Oberfläche des Vergnügungsparks finstere Geheimnisse lauern, die besser nicht ans Tageslicht kommen sollten …

Gelungenes Remake

Auch wenn Tim Burton zuletzt ein paarmal ziemlich danebengehaut hat (Die Insel der besonderen Kinder, Big Eyes und Dark Shadows waren keine Sensationen) vertraute Disney dem Briten nach den guten Erfahrungen mit Alice im Wunderland das Prestigeprojekt an – eine richtige Entscheidung. Burton weiß, dass der CGI-Elefant der Star ist und gibt ihm genau den Raum, die Nähe und die Momente, die es braucht, um zu lachen und ein paar Tränen zu zerdrücken. Dabei wird die Geschichte diesmal durch die Augen der Menschen gesehen statt durch die der Tiere, was die Erzählung natürlich einfacher, aber durch die vielen Figuren auch ein wenig flacher macht. Aber wie gesagt, das macht Klein-Dumbo, den man von Anfang an nicht als Tricktier, sondern als lebendiges Wesen wahrnimmt, wieder wett. Auch kann man den Machern keinen Vorwurf machen, eine andere und erweiterte Geschichte zu erzählen. Denn das Original war nur 64 Minuten kurz und langsam erzählt. Da blieb nichts anderes übrig, als die Geschichte neu zu erfinden. Was den Vorteil hat, dass man die DVD mit dem alten Film umso lieber wieder mal ansieht. Fazit: Tim Burtons bester Film seit langem!

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