Drei Eier im Glas

Komödie, A 2015
Triste Runde trauriger Männer

Triste Runde trauriger Männer

In "Immer nie am Meer" (2007) steckten sie zu dritt im Auto fest, nun also im Leben: In ihrer zweiten Zusammenarbeit "Drei Eier im Glas" mit Regisseur Antonin Svoboda verkörpern die "Willkommen Österreich"-Ulknudeln Christoph Grissemann und Dirk Stermann sowie der Hamburger Komiker Heinz Strunk einmal mehr gescheiterte Existenzen, die der Zufall zusammenführt.

Einst war Barney Schweinheimer (Stermann) gefragtes Model, gab Shampoo und Zwieback sein Gesicht. Heute halten ihn nicht mal Treppenlift-Spots über Wasser. Was ihm bleibt, sind ein Koffer und ein Saxofon, das er in der Musikhandlung von Michael Kiesel (Strunk) verscherbeln will. Der wiederum ist zutiefst einsam, süchtig nach der YouTube-Sitcom "Verliebt in eine Leiche" von Heidrun Fröhlich (Ursula Strauss) und nicht zuletzt wegen der Gemeinheiten seines pflegebedürftigen Vaters alkoholkrank. Auf eigene Internet-Prominenz hofft er mit der Aufzeichnung seines Saxofonkurses für Singles, in den sich Barney prompt einschreibt.

Bald in die triste Runde trauriger Männer mittleren Alters stößt Dragan Kuhl (Grissemann). Weil ihm für ein Jahr die Lizenz für sein "Dark Tourism"-Geschäft entzogen wurde, mit dem er Touristen an Orte von Tod und Zerstörung führt, weiß der Stammkunde des "Glory Hole"-Puffs nichts mit sich anzufangen. Also nimmt er seine zwei neugewonnenen Freunde mit nach Tschernobyl und quartiert sie anschließend in seiner Riesenvilla ein, wo die aus dem Irrenhaus entlassene Mutter bald ihren Albtraum wieder zu erleben glaubt: War es doch einst die Liebschaft ihres Gatten mit zwei Männern, die sie zur berüchtigten Ribiselmörderin werden ließ...

Zweimal glaubt man bei "Drei Eier im Glas", Stermann, Grissemann und Strunk würden nun dort ansetzen, wo "Immer nie am Meer" aufhörte. Doch weder die ukrainische Gefängniszelle noch das Kingsize-Bett in Döbling bedeuten das Ende des schrägen Gespanns. Weniger Glück hat ihr unscheinbarer Saxofon-Kollege Richard Song (Davis O. Nejo), der als Rahmenerzähler fungiert und dessen skurrile Todesumstände den drei sich ihres Scheiterns gar nicht bewusst zu scheinenden Männern zu neuer Existenz verhelfen dürfte. Nachgeholfen wird da auch vom oberösterreichischen Musiker Marcus Füreder alias Parov Stelar, der den Soundtrack beisteuert.

Bis zum Wende- und gleichzeitig Schlusspunkt hangeln sich die Komiker, die gemeinsam mit Svoboda für das Drehbuch verantwortlich zeichneten, frei von Dramaturgie, aber mit jeder Menge Selbstironie und sichtlicher Freude am Blödeln von einem Gag zum nächsten, reihen fragwürdige Lebensweisheiten aneinander und liefern in Bademänteln die reduzierteste Disco-Flashmob-Choreografie aller Zeiten ab, wunderbar festgehalten von Kameramann Martin Gschlacht. Das ist - so man den morbiden, trockenen Humor mag - lustig anzusehen, hat aber auch seine Längen.

Ein kongeniales Trio geben sie allemal ab, und stehen nicht nur dank unterschiedlichster Gesichtsbehaarung für drei grundverschiedene Männer 50+, die der Anschein des Aus-der-Welt-Gefallenen eint. Während sich ein erblondeter Stermann im Laufe der 90 Minuten u.a. mit einer Duschszene am meisten aus dem Fenster lehnt und Grissemann sich mit Frühaufsteher- und Berührungsangst-Ticks gewohnt lautstark in den Mittelpunkt spielt, fallen Strunk die besten Sager zu: "Ich empfinde mein Geschlecht mittlerweile nur noch als Belästigung", oder auch: "Alkohol hat mein Leben gerettet".

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