Don't Come Knocking

Drama/ , D/USA 2005
Keine Scheu vor starken Farben

Keine Scheu vor starken Farben

"Don't Come Knocking" hat der abgehalfterte Western-Darsteller Howard Spence beim Dreh auf seinen Wohnwagen geheftet. Und dieser Sinnspruch wird in Wim Wenders' gleichnamigem Streifen zum Lebensmotto: Denn vor allem soll niemand an Spences (Sam Shepard) kaputtem Leben rühren. Doch dann taucht in den Trümmern eine verlorene Familie.

Ein einsamer Cowboy reitet zu Beginn von "Don't Come Knocking", der bei den Filmfestspielen von Cannes zwar äußerst wohlwollende Reaktionen, aber keinen Preis brachte, durch die Wüste. Doch keine Angst, dieses Klischee-Bild wird sofort in sein Gegenteil verkehrt, Wenders bezeichnet den Streifen als "Post-Western": Denn zu sehen ist ein Western-Darsteller auf der Flucht. Vor seinen Filmen, seiner Exzess-geplagten Karriere. Und vor seinem Leben. Nur: wohin soll man da fliehen?

Wer nach erfolgreicher Filmkarriere plötzlich wieder bei seiner Mama einkehren muss, weiß: Er hat alles verloren. Wie viel genau es überhaupt zu verlieren gab, erfährt der lieber schweigende als redende Howard aber erst von seiner Mutter (Eva Maria Saint), die die plötzliche Rückkehr des jahrzehntelang nur in den Schlagzeilen anwesenden Sohnemanns kühl aufnimmt: Eine von Howards Liebeleien hatte vor fast drei Jahrzehnten ein sehr reales Ergebnis, das nun in Montana lebt. Und dieses Kind, von dem Howard zuerst nicht einmal das Geschlecht weiß und das sich als emotional an der Kippe stehender Sohn (Gabriel Mann) entpuppt, verspricht für kurze Zeit doch noch Hoffnung für den Cowboy, den Spence mangels eigener Persönlichkeit auch im realen Leben mimen muss.

Die USA von ihrer zugleich kalten und schönen Seite - das Land der Leuchtreklamen und schweigsamen Männer, der Provinzkaffs und der langen Straßen - zeigt Wenders in dem Streifen, der u. a. in Montana gedreht wurde. Die Story über einen verfehlten Lebensweg hat er gemeinsam mit dem Autor Sam Shepard, der zugleich die Titelrolle spielt, geschrieben.

Schon einmal haben Wenders und Shepard zusammengearbeitet, vor rund zwei Jahrzehnten bei "Paris, Texas". Und dessen melancholische Grundstimmung findet sich auch in ihrem neuen Streifen wieder - Einsamkeit, Sehnsucht und fehlende Heimat. Und vor allem die Suche nach der verlorenen Liebe des Lebens, in "Don't Come Knocking" dargestellt von Shepards Frau Jessica Lange. Trockener Humor, tiefe Emotion, viele in der Schwebe gehaltene Fragen und Filmbilder zum Eintauchen - ein in allen Belangen schöner Film.

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