Dieses Jahr in Czernowitz

Dokumentation/ , D 2004
Dieses Jahr in Czernowitz

Mit "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" hat Volker Koepp zwei der letzten Czernowitzer Juden porträtiert, die Krieg und KZ überlebt hatten. Beide Protagonisten sind mittlerweile gestorben. Nun hat sich der aus Ostdeutschland stammende Filmemacher wieder auf Spurensuche begeben: "Dieses Jahr in Czernowitz".

"This is the Royal Family, the Czernowitz Royal Family", sagt ein nach Venezuela emigrierter Czernowitzer zu Beginn der Doku scherzhaft, als ein Gruppenbild aufgenommen wird. Er werde in Venezuela immer gefragt, ob Czernowitz eine Million Einwohner gehabt habe, weil diese über alle Welt verstreut und so miteinander vernetzt seien. Tatsächlich waren es nur 150.000: ein Vielvölkergemisch, zur Hälfte Juden, in einer wahren Kulturmetropole. "Dieses Jahr in Czernowitz" sucht Koepp nach den Wurzeln der Emigranten und ihrer Nachkommen, in ihrer neuen Heimat und dem Ort ihrer Herkunft.

Es ist eine Reflexion über Heimat und Exil, über das Weiterleben und Konstruieren von Geschichte über Generationen hinweg. Eine Art spiritueller Archäologie oder Graben in der "spirituellen Erde", wie der Hollywood-Schauspieler Harvey Keitel es formuliert, dessen Mutter aus Maramures in der Bukowina stammte. Der Film ist reich an Szenen, in denen sich ein Kreis schließt und auf tief berührende Weise spürbar wird, wie wichtig, ja oft heilsam der Kontakt mit der eigenen Herkunft ist. Was sich dabei lösen kann, wird in manchen Momenten in den Gesichtszügen sichtbar, etwa wenn der in Berlin lebende Cellist Eduard Weissmann mit den Tränen kämpfend erzählt, wie die Nazis in Czernowitz seine erblindete Großmutter von einer Brücke in den Tod stießen, und dass er nun ihren Namen auf den Grabstein seiner Eltern hat eingravieren lassen. Oder seine Begegnung mit dem 1914 geborenen Tischler Johann Schlamp, der noch immer in Czernowitz lebt und dort mit ergreifender Stimme Josef Schmidt-Schlager singt. Er hat mit mit dem ebenfalls von den Nazis ermordeten Onkel Weissmanns, dessen Vornamen dieser trägt, einst zusammen im Balalaika-Orchester gespielt. Die beiden Männer umarmen sich: "Alles wird gut."

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