Diego Maradona

Dokumentarfilm, Großbritannien 2019

Diego Maradona

In Neapel war er erst der Gott der Massen, dann der Teufel persönlich – und das innerhalb weniger Jahre. Die Tragödie eines Fußballer-Lebens.

Diego sitzt bei der Weihnachtsfeier des SC Neapel, rund um ihn Stimmen, Lachen, Gläserklirren. Es ist 1990, kurz bevor sie ihren Gott, der er noch ein, zwei Jahre zuvor war, aus der Stadt jagten. Sein Blick ist leer, scheint zu fragen: Was mach ich hier? Solche Bilder unterscheiden Diego Maradona von Asif Kapadia, der schon die Lebensgeschichten von Ayrton Senna und Amy Winehouse eindrucksvoll in Filme „übersetzte“, von anderen Biopics. Der Regisseur versteht es, ohne viele Kommentare das Drama des Lebens dieses Arbeiterbuben aus den Slums von Buenos Aires nur mit Bildern aus ebendiesem Leben zu erzählen. Dabei zeigt er mehr oder weniger nur die paar Jahre, die Maradona in Neapel spielte – von 1984 bis 1991. In diese Zeit fallen seine größten Triumphe, aber auch seine tiefsten Abstürze. Die WM 1986, als er fast im Alleingang den Titel nach Argentinien holte, die erste Meisterschaft für den Underdog Neapel 1987, wo die „Afrikaner Italiens“ daheim sind, die „ungewaschenen Dreckfresser“, die der „Vesuv mit Feuer waschen“ soll (Texte auf „Fan“-Transparenten in norditalienischen Stadien).

In Neapel ist Maradona zu der Zeit am Olymp (Fan-Zitat: „Über Diego schlecht zu reden, ist wie über Gott schlecht zu reden.“). Er kann sich vor Verehrern kaum retten – aber auch die Mafia will ihr Stück vom Ruhm. Er hat „Freunde“ dort, die ihm das Nachtleben, die Groupies und das Kokain schmackhaft machen. Während seine Freundin schwanger ist, kommt sein Erstgeborener zur Welt – das Ergebnis einer Affäre. Maradona spielt am Sonntag Fußball, dann zieht er koksend bis Mittwoch um die Häuser, ab Donnerstag nüchtert er aus, trainiert fürs nächste Spiel. Irgendwann zu viel für das Arbeiterkind, das schon mit 15 der Ernährer seiner Eltern und der sieben Geschwister war. Als er 1990 auch noch mit Argentinien die Italiener aus der Heim-WM wirft – und das ausgerechnet in Neapel! –, wird aus dem Gott medial ganz schnell der Satan. Durch den Film zieht sich wie ein roter Faden sein persönlicher Trainer Fernando Signorini („Es gibt Diego, und es gibt Maradona. Für Diego würde ich ans Ende der Welt gehen, für Maradona keinen einzigen Schritt tun.“). Und noch ein Satz bleibt in Erinnerung, von Maradona selbst: „Auf dem Spielfeld wird das Leben unwichtig. Alles andere wird unwichtig.“

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