Die Zukunft ist besser als ihr Ruf

Dokumentation, A 2016

Andrea Roschek, Gründerin der "Pannonischen Tafel"

"Ich bin nicht pessimistisch." Gleich einer der ersten Sätze, die im österreichischen Dokumentarfilm "Die Zukunft ist besser als ihr Ruf" fallen, mutet irgendwie ungewohnt an. So viel ist allerorts von Krisen die Rede, dass optimistische, engagierte Menschen wie jene, die in der Produktion der Nikolaus Geyrhalter Film porträtiert werden, rar scheinen - noch.

Darum geht's in ‚Die Zukunft ist besser als ihr Ruf‘:

Von Finanzkrise über Klimawandel bis Fluchtbewegung und Brexit: Die kollektive Verunsicherung ob allgegenwärtiger, komplexer Umbrüche ist der Ausgangspunkt von "Die Zukunft ist besser als ihr Ruf", eingangs dargestellt als ein aus Medienberichten gespeistes, bedrohliches Stimmenwirrwarr. Die Filmemacher Teresa Distelberger, Niko Mayr, Gabi Schweiger und Nicole Scherg lassen diesem Porträts von vier Frauen und zwei Männern folgen, die der Krisenstimmung nicht mit Ohnmacht, sondern mit Tatendrang entgegentreten - ob es um lebendige politische Kultur, soziale Gerechtigkeit oder ein Neudenken der Ressourcenverteilung geht.

Rita Trattnig etwa gründete den "BürgerInnenrat" für partizipative Demokratie, Andrea Roschek den Verein Pannonische Tafel, der eigentlich zum Wegschmeißen bestimmte Lebensmittel an Hilfsbedürftige verteilt, und Judith Schachinger das Projekt "Speiselokal", das Menschen zur saisonalen und regionalen Ernährung zurückführen soll. Sie bindet dafür ebenso Arbeitskräfte aus der Umgebung ein wie Architektin Anna Heringer, die kompostierbare Gebäude aus Lehm errichtet. "Etwas, das nach der aktuellen ökonomischen Logik unlogisch ist", macht der gelernte Koch Andreas Renoldner, indem er auf Besitz verzichtet und auf den sozialen Beruf des Heimhelfers umgesattelt hat. Und der Kulturhistoriker und Ökonom Walter Ötsch versucht in seinen Vorlesungen an der Uni nicht weniger, als "das Denken der Studenten zu verändern".

Zwischen Prolog und Epilog in Episoden unterteilt und von eigens komponierter Musik des Bläserseptetts Federspiel untermalt, werden die Sechs hintereinander in Interviewsituationen vorgestellt und zu ihren jeweiligen Engagements begleitet - in den Unterricht, auf die Baustelle oder den Biohof. Von vier Regisseuren inszeniert, funktioniert "Die Zukunft ist besser als ihr Ruf" dennoch als stimmiges Ganzes, ist durchgehend von Empathie und Bewunderung für seine Protagonisten geprägt, gibt in wenigen Minuten ein gutes Gefühl für deren Wesen und zeigt Parallelen in ihren Ansichten, frühen Prägungen und Motivationen auf.

"Als Kulturhistoriker", sagt Ötsch mit wunderbar ansteckendem Lachen, "weiß man, dass die Zukunft offen ist." Mit den weiteren Fünf eint ihn die Haltung, dass festgefahrene Strukturen aufgebrochen werden können - und jeder Mensch individuell einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten kann. Der Film schlägt damit in dieselbe aktivistische Kerbe wie jüngste heimische Dokus wie "Bauer Unser" oder "Free Lunch Society", die aufzeigen, wo und warum es in unserer globalisierten Welt und neoliberalen Wirtschaftspolitik krankt, ist in der Gestaltung seiner Botschaft aber verspielter, optimistischer und persönlicher - und damit möglicherweise auch wirkungsvoller.

Unsere Meinung zu ‚Die Zukunft ist besser als ihr Ruf‘:

"Die Idee entstand aus der Erfahrung, dass ein Gespräch mit einem engagierten Menschen oft am besten über das Ohnmachtsgefühl gegenüber den Krisen dieser Welt hinweghilft", sagt Produzent Michael Kitzberger, der auch schon hinter Schergs Doku "Das Leben ist keine Generalprobe" über den Waldviertler "Schuhrebell" Heini Staudinger stand. Wer ins Kino geht, macht also gleich sechs Begegnungen auf einmal - und wird im besten Falle selbst dazu ermutigt, aktiv zu werden, in jedem Fall aber dazu verleitet, positiver gen Zukunft zu blicken.

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