Die Welt der Wunderlichs

Komödie/Drama, D/CH 2016

Mimi Wunderlich hat es nicht leicht mit ihrer Familie

Überkandidelter Jux um eine Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs

Alleinerzieherin Mimi Wunderlich (Katharina Schüttler) hat's echt nicht leicht: Ihr hyperaktiver 7-jähriger Sohn Felix - den sie nicht grundlos „mein kleiner Diktator" nennt -hält sie von früh bis spät auf Trab. Weil er seine Lehrerin in einen Kasten gesperrt hat, muss Mimi zum wiederholten Mal in der Schule vorsprechen -und ist deshalb auch ihren Job los. Ihr manischer Vater (Peter Simonischek) ist aus der Nervenheilanstalt getürmt und verjubelt Mimis Ersparnisse auf der Pferderennbahn, während ihre exaltierte Mutter (Hannelore Elsner), eine einstige Schlagerdiva, vor lauter Depressionen gar nicht mehr aus dem Bett steigen will. Dazu kommen ihr Ex-Mann Johnny (Martin Feifel), ein abgewrackter Rockmusiker, und ihre egoistische Schwester Manuela (Christiane Paul). Zu allem Überfluss hat sie in Nico (Steffen Groth) auch noch einen penetranten Verehrer am Hals. Kurz: Das Leben der ehemaligen Musikerin ist ein einziges Jammertal. Doch nun könnte sich alles zum Guten wenden: Mimis Sohnemann hat sie ohne ihr Wissen bei der Schweizer Castingshow Second Chance angemeldet. Und schon begibt sich Mimi mit ihrer schrägen Familie im Schlepptau auf die Reise nach Zürich. Eine turbulente Situation jagt die nächste...

Nervig statt lustig. Dani Levys (Alles auf Zucker!, Mein Führer) hektischer Klamauk rund um eine schrille Chaos-Sippe kommt trotz illustren Star-Ensembles nicht an vergleichbare Streifen wie Little Miss Sunshine heran. Gute Gags sind Mangelware, der ganze Trubel ist mehr anstrengend als witzig. Bei der Castingshow selber gibt's ein Wiedersehen mit ein paar Showgrößen: Th omas Anders und Sabrina Setlur fungieren als Juroren, Arabella Kiesbauer moderiert.

Ein Gutteil der Mängel wird zudem durch das famose und sehr erfahrene Darsteller-Team kompensiert: Hannelore Elsner, die auch in "Alles auf Zucker!" schon dabei war und ohnehin eine Zier ist für fast jeden Film. Peter Simonischek, der unlängst mit seiner Leistung in "Toni Erdmann" viel Aufsehen erregte, und eine wunderbar derangierte Christiane Paul als Mimis manipulative Schwester. Katharina Schüttler schließlich überzeugt in fast jeder Szene. Ihre Mimi ist so fragil wie durchhaltestark, und bei aller Schwäche das gesunde, das "normale" Zentrum einer komplett dysfunktionalen Familie.

Spannend an Levys Chaos-Komödie, die einige Parallelen zu "Little Miss Sunshine" aufweist, ist der Blick des Regisseurs auf die den Film abrundende Casting-Show. Man spürt, dass für Levy von diesem so beliebten wie umstrittenen Fernseh-Genre eine bestimmte Faszination ausgeht. Seine Beobachtungen der Show, in der Mimi einen hoch emotionalen Auftritt hinlegt, sind so sezierend wie auch liebevoll.

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