Die Welle

Drama/ , D 2008
Experiment mit Verführbarkeit und Macht

Experiment mit Verführbarkeit und Macht

Bei dem Thema Nationalsozialismus winken viele inzwischen ab. Zu häufig sei dieses Thema in der Schule und in der Öffentlichkeit durchgekaut worden. Das Aufkeimen des Rechtsextremismus im Lande halten sie für ein Problem der Anderen. Dass dieser Eindruck täuscht, versucht der Regisseur Dennis Gansel in seinem neuen Film "Die Welle" zu beweisen.

Als der Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Vogel) bei einer Projektwoche das Thema Faschismus anspricht, geht ein Stöhnen durch die Klasse. "Ihr seid also der Meinung, dass 'ne Diktatur heute in Deutschland nicht mehr möglich wäre?" empört sich Wenger und beschließt, sie vom Gegenteil zu überzeugen. "Macht durch Disziplin", "Macht durch Gemeinschaft" und "Macht durch Handeln" lautet fortan sein Credo - und es funktioniert.

Angespornt von dem Gemeinschaftsgefühl ordnen sich die Schüler begeistert unter. Sie nennen sich "Die Welle" und haben einen eigenen Gruß. Wer nicht mitmacht, wird ausgeschlossen. Nur wenige Jugendliche wie Karo (Jennifer Ulrich) sehen eine Gefahr und haben den Mut, sich dagegen aufzulehnen. Als bei einem Wasserballturnier Gewalt ausbricht, stellt auch Wenger schockiert fest, dass sein Versuch außer Kontrolle geraten ist.

Der Film beruht auf wahren Tatsachen, die Morton Rhue in seinem Jugendbuchklassiker "Die Welle" von 1981 aufgreift. Ron Jones hatte das Experiment 1967 mit einer Klasse in Kalifornien erprobt. "Es startete mit 30 Schülern und innerhalb einer Woche waren es 300, die Erkennungs-Armbänder trugen und die Schule übernehmen wollten", berichtet Jones. Nach einer Schlägerei musste er abbrechen.

Gansel hat sich bereits in dem Film "Napola" über einen Eliteschüler der Nazis mit Machtmissbrauch und Verführung auseinandergesetzt. In seinem neuen Film geht er einen Schritt weiter: "Das ist genauso unser Ausgangspunkt: dass wir uns so sicher sind, dass das in Deutschland nicht möglich wäre - gerade weil wir soviel über Faschismus und Drittes Reich wissen, das wir uns davor gefeit fühlen", sagt er. "Gerade die Leute, die sich extrem davor gefeit fühlen, merken, dass so einer Bewegung und so eine Autorität auch ein gewisses Charisma hat und dass dieser Macht eine gewisse Erotik innewohnt. Das ist auch das Gefährliche daran."

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