Die Verführten

Drama/Western, USA 2017

Colin Farrell als kluger wie manipulativer Hahn im Korb

Remake des Clint-Eastwood-Dramas Betrogen (1971): Soldat Colin Farrell sorgt in einem Mädchenpensionat (Chefin: Nicole Kidman) für Unruhe

Anfang der 1970er war Clint Eastwood "nur" Western-und Actionstar und noch kein oscarnominierter Filmemacher. In dem Drama Betrogen einen Soldaten in den Fängen mehrerer Frauen zu spielen, war daher eine überraschende Wahl (und wurde von seinen Fans nicht goutiert, der Streifen floppte). Ähnlich überraschend ist es, dass Regisseurin Sofia Coppola (‚Lost in Translation‘) sich diesen Stoff, der von einigen Kritikern als sexistisch eingestuft wurde, für ein Remake aussuchte. Aber genau das wird es wohl gewesen sein. Im Gegensatz zum Eastwood-Film wird ‚Die Verführten‘ nun konsequent aus der Sicht der Frauen erzählt.

Darum geht’s in ‚Die Verführten‘:

Im Jahr 1863, als der US-Bürgerkrieg noch tobt, leben zwei Lehrerinnen mit fünf Schülerinnen auf sich allein gestellt in einem Mädchenpensionat. Sie bestellen den Garten, lernen französisch, nähen, musizieren und beten tagaus, tagein. Da entdeckt Nesthäkchen Amy beim Pilzesammeln im Wald den verwundeten Soldaten John McBurney (Colin Farrell). Sie schleppt ihn ins Pensionat, und Miss Martha (Nicole Kidman), quasi Chefin des Hauses, verarztet ihn, obwohl er ein Yankee ist, also zum Feind gehört. Sie verrät ihn auch nicht, als noch am selben Tag die eigenen Soldaten am Anwesen vorbeiziehen.

Denn: Yankee hin oder her, hier liegt ein Mann, der Hormonhaushalt gerät durcheinander. Die Damen machen sich hübsch, Teenie Alicia (Elle Fanning) flirtet offensiv mit ihm, Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst) eher schüchtern. Selbst die gestrenge Miss Martha scheint in unbeobachteten Momenten weiche Knie zu bekommen. Was natürlich Ärger gibt: Bald sprießt die Eifersucht, die Folgen, so viel sei verraten, sind heftig.

In atmosphärischen Bildern erzählt Coppola ruhig und zurückhaltend von dieser Zäsur im Leben der sieben Frauen. Der größte Unterschied zum Original ist, dass Coppola die sexuelle Spannung weit subtiler und erotischer darstellt als der 71er-Film. Kein Wunder: Der damalige Regisseur Don Siegel war nicht für Leidenschaft berühmt, nach Betrogen drehte er ‚Dirty Harry‘. Coppola bekam in Cannes für ‚Die Verführten‘ den Regiepreis.

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