Die Vaterlosen

Drama, A 2011
Ein Übervater und seine Kinder

Ein Übervater und seine Kinder

Ein blauer VW-Bus, vollbepackt mit singenden Kindern und genervten Erwachsenen, nähert sich in "Die Vaterlosen" einem alten Haus. Die Stimmung ist angespannt, am Steuer sitzt Hans, eine Art Übervater einer steirischen Kommune. Es ist die erste von mehreren Erinnerungen, die vier Geschwister einholen, als Hans 23 Jahre später das Zeitliche segnet und sie wieder am Ort ihrer Kindheit zusammenkommen.

Johannes Krisch spielt den selbstbewussten Patriarchen, der den Kindern stets eingeschärft hat, dass sie nichts können, sondern sich nur alles trauen müssen. Die Rückblenden sind hell und freundlich, fast träumerisch, erzählen von einer Idylle, die so vielleicht auch gar nicht wirklich existiert hat. Wenn die mittlerweile Erwachsenen sich neu kennenlernen und ihre Vergangenheit aufarbeiten, schwingt auch ein schleichender Bewertungsumschlag mit, eine leise Befreiung von psychologischen Altlasten. "Familie ist überbewertet", heißt es da einmal. Und auf die Antwort, dass damit die eigenen Wurzeln verleugnet werden: "Wurzeln sind auch überbewertet. Oder willst du ein Baum sein?"

So einfach ist es aber dann doch nicht. Die Familienbande sind stark, und Rio Reisers "Halt dich an deiner Liebe fest" bohrt sich beständig ins Herz. Währenddessen werden die Beerdigung und der Abschied von Hans vorbereitet und schließlich auch vollzogen, kommt es zu Streitereien und Neubewertungen, werden Verbindungen gelockert und neu geknüpft. Andrea Wenzl, Andreas Kiendl, Philipp Hochmair und Emily Cox bilden das Zentrum eines starken Ensembles, das durch Marion Mitterhammer als vereinsamte Mutter in dem mittlerweile verwahrlosten Haus ergänzt wird.

"Ich wollte mich nicht lustig machen über die Kommune oder das verurteilen", erzählte Marie Kreutzer bei der Pressekonferenz in Berlin. Vielmehr zögen sich allgemeine Fragen nach Erziehung und dem Umgang mit Kindern durch den Film, so die Regisseurin. Dass "in Österreich Probleme anders nicht angesprochen werden", habe ihr bei der Entwicklung des Drehbuches mit Sicherheit geholfen. Trotz so mancher Sprachlosigkeit ist "Die Vaterlosen" jedoch kein Beispiel für das Klischee der tristen nationalen Kinematografie, vielmehr erinnert der Film im besten Sinne an dänische oder schwedische Vorbilder. Es ist ein Familienfilm, schön fotografiert von Leena Koppe, mit bestechend gelungener Dramaturgie und viel Stoff für anschließende Diskussionen. Schlicht ein beeindruckendes Debüt.

Der Ensemblefilm "Die Vaterlosen", das Spielfilm-Debüt der jungen österreichischen Regisseurin Marie Kreutzer, überzeugte auch jüngst bei der Diagonale: Der Film selbst erhielt den Großen Diagonale-Spielfilmpreis sowie den Preis für die Bildgestaltung, die Darsteller Marion Mitterhammer und Johannes Krisch bekamen den Schauspielerpreis.

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