Die Standesbeamtin

Komödie/Romanze, CH 2009
Eine leichtfüßige, warmherzige Liebeskomödie

Eine leichtfüßige, warmherzige Liebeskomödie

Gebannt blickt das junge Brautpaar (Oriana Schrage, Dominique Jann) auf die Standesbeamtin (Marie Leuenberger), die in einem idyllischen Schweizer Städtchen für sie den Bund der Ehe besiegeln soll. Mit ernster Miene predigt sie bei der standesamtlichen Trauung den üblichen Text. Doch ihre Rede will kein Ende nehmen. Der Schweizer Regisseur Micha Lewinsky inszenierte eine turbulente Liebeskomödie.

Der preisgekrönte Lewinsky (Der Freund) schickt seine Protagonisten mit viel Witz, wundersamen Wendungen und schmalzig-stimmigen Songs auf eine turbulente Achterbahnfahrt der Gefühle. Die routinierte Standesbeamtin, die selbst sehr früh eine Vernunftehe eingegangen ist, glaubt schon lange nicht mehr an die große Liebe. Als in der Buchhandlung plötzlich ihr alter Jugendfreund vor ihr steht, mit dem sie früher in einer Band zusammen gespielt hat, kommen einst verdrängte Gefühle wieder in ihr hoch. Doch der inzwischen sehr erfolgreiche Musiker ist nicht allein in die alte Heimat gekommen, sondern stellt ihr seine Verlobte vor. Ausgerechnet mit dieser zickigen Schauspielerin soll sie ihn nun verheiraten.

"Die Standesbeamtin ist eine sehr dankbare Rolle", schwärmt Leuenberger, die seit ihrem 16. Lebensjahr auf der Bühne steht und mit diesem Film nun ihr Kinodebüt gibt. Zur Vorbereitung auf diesen Part hat die junge Theaterschauspielerin Nachhilfeunterricht auf dem Standesamt in Hamburg genommen. "Das war absurd", erzählt die 29-Jährige. "Ich bin dort ganz allein getraut worden und musste mit der Luft die Ringe tauschen."

Entdeckt hat Lewinsky seine charismatische Titeldarstellerin, die als Deutsche in Basel aufgewachsen ist, auf dem Zurich Film Festival. "Da haben Schweizer Casting-Agentinnen ein Demo-Band mit jungen Nachwuchsschauspielern präsentiert", berichtet Lewinsky. Während Leuenberger am Theater bereits mit dem Förderpreis der Freunde des Deutschen Schauspielhauses ausgezeichnet worden ist, stellte die Filmarbeit für sie völliges Neuland dar. Beim Dreh von "Die Standesbeamtin" war sie zudem gefordert, zusammen mit dem Komponisten Markus Schönholzer verschiedene Songs aufzunehmen.

"Musik spielt in meinen Filmen oft eine Rolle, da ich selbst Gitarrist in einer Schweizer Popband bin", erklärt der Regisseur. Zu dieser Liebeskomödie ließ er sich durch seine eigene Heirat inspirieren. "Ich fand es lustig, dass Beamte für die Liebe zuständig sind und bei der Trauung etwas Poetisches von sich geben sollen", sagt Lewinsky. "Mich interessieren immer Figuren, die am Rand stehen wie der Bar-Pianist, der zusehen muss, wie sich die Anderen zu seinem Geklimper küssen." Das Drehbuch zu "Die Standesbeamtin" verfasste er zusammen mit seinem Co-Autoren Jann Preuss, der auch die Dialoge für Til Schweigers Film "Barfuss" geschrieben hat.

Mit dieser leichtfüßigen, warmherzigen Liebeskomödie trifft Lewinsky mitten ins Herz des Kinopublikums. In der Schweiz avancierte "Die Standesbeamtin" mit fast 100.000 Zuschauern zu einem echten Überraschungshit. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt der weit gefächerten, emotionalen Bandbreite der jungen Titeldarstellerin, die in diesem aufgeladenen Spannungsfeld eine perfekte Identifikationsfigur darstellt. Ihre spürbaren Hochs und Tiefs ziehen sich nicht nur wie ein Stimmungsbarometer durch den gesamten Film, sondern sorgen in ihrer Tragik auch immer wieder für Situationskomik. Einen zusätzlichen Sympathie-Bonus besitzt dieses Feel-Good-Movie durch das Schwyzerdeutsch, das einen geradezu exotisch anmutenden Charme versprüht.

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