Die Schöne und das Biest

Family/Fantasy, USA 2017

Belle erkennt die wahre Schönheit des Biests

26 Jahre nach dem oscarprämierten Zeichentrickfilm verzaubert die Disney-Realverfilmung von Bill Condon erneut

Schreibt auch diese Die Schöne und das Biest-Version aus dem Hause Disney Filmgeschichte? Das Zeichentrick-Musical von Gary Trousdale und Kirk Wise aus dem Jahr 1991 wurde immerhin als erster animierter Film für einen Oscar als bester Film nominiert. Den Goldjungen gab es dafür zwar nicht, aber für den besten Song und die beste Filmmusik. Die Schöne und das Biest ist ein altes französisches Märchen, La belle et la bête, das zum französischen Überlieferungsschatz gehört -vergleichbar mit der Sammlung der Brüder Grimm. International berühmt wurde es durch die legendäre Erstverfilmung von Regisseur Jean Cocteau mit Jean Marais in der Hauptrolle aus den 1940er-Jahren. Zuletzt wurde der Stoff 2014 von Christophe Gans in eine bildgewaltige Romanze mit Vincent Cassel und Léa Seydoux verwandelt.

Und jetzt adaptiert sich Disney wieder mal selbst. Doch warum ist dieser Stoff so beliebt? "Das Faszinierende an dem Märchen: Es glorifiziert einerseits das weibliche Opfertum (klassisches Frauenrollenbild!) samt der 'Erlösung' des bestialischen Mannes durch die Frau -das spricht all jene Frauen an, die mit so einem Mann gepaart sind; andererseits löst es bei solchen Männern die Sehnsucht nach der alles verzeihenden, liebenden Mutterfrau aus. Sehr gefährlich!", so Psychologin Rotraud A. Perner, und weiter: "Das Archetypische besteht in dieser Hoffnungschance der 'Erlösung durch Liebe' - und die gibt es ja wirklich, halt selten. Aber: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt."

Nach Maleficent, Cinderella und Th e Jungle Book ist Die Schöne und das Biest von Regisseur Bill Condon (Dreamgirls, Chicago) bereits die vierte Realfilm-Neuauflage eines Animationsklassikers aus dem eigenen Haus. Und wir müssen sagen: Ein großartiger Film mit einer Riege an Stars! Aber vor der Bewertung zum Inhalt...

Darum geht's in ‚Die Schöne und das Biest‘

In einem kleinen französischen Dorf lebt die strebsame und intelligente Belle (Emma Watson) gemeinsam mit ihrem Papa, dem Uhrmacher Maurice (Kevin Kline). Belle steckt ihre zierliche Nase ständig in Bücher und ist ein großer Fan von William Shakespeare, was die restlichen Dorfbewohner äußerst merkwürdig finden. Trotzdem will der arrogante und selbstverliebte Gaston (Luke Evans) die junge Frau am liebsten zu seiner machen. Diese interessiert sich aber überhaupt nicht für den unflätigen Macho. Während Belle vor Gastons Avancen flüchtet, verirrt sich Belles Vater mit seinem Pferdewagen und landet vor einem mächtigen Schloss. Schnell stellt er fest, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und will fliehen. Davor jedoch pflückt er für seine Tochter aus dem wunderschönen Schlossgarten eine Rose.

Das passt dem Herrscher des Anwesens, dem monströsen Biest (Dan Stevens), gar nicht -also nimmt er Maurice gefangen. Als das Pferd ohne Vater heimkommt, macht sich Belle schließlich auf die Suche nach ihrem Papa. Im Schloss angekommen, ist Belle von den magischen Bewohnern wie verzaubert. - Nur das Biest macht ihr (zuerst) Angst. Doch um ihren Vater zu retten, nimmt Belle den Platz ihres Papas ein. Eine Chance für den Schlossherrn - denn immerhin kann nur die Liebe einer Frau den Bann brechen, der den Prinzen und all seine Diener verwandelt hat. Jetzt muss Belle sich nur noch ins Biest verlieben. Doch Jähzorn und Kaltherzigkeit sind alles andere als liebenswert

Mit Remakes liebgewonnener Filme ist es immer so eine Sache, noch dazu, wenn sie zu den Kindheitserinnerungen gehören. Nicht wenige sind mit Disneys Zeichentrickversion von Die Schöne und das Biest aufgewachsen und fragen sich: Verzaubert die Realverfilmung genauso wie damals? Die Antwort: ein klares Ja! Das Remake lässt den alten Zauber des Originals gekonnt aufleben, Condon orientiert sich sehr genau am Zeichentrick. Das macht den Eindruck, als erwache die Version von 1991 vor unseren Augen zum Leben. Condon setzt auf den bühnenhaften Look eines opulenten Theater-Musicals, die Gesangs-und Tanzchoreografien mit teilweise Hunderten Statisten sorgen mehr als einmal für Gänsehaut.

Musik spielt im Remake eine fast noch größere Rolle als in der Zeichentrick-Vorlage -abgesehen von Hits wie Sei hier Gast oder dem Titelsong Die Schöne und das Biest (die Tanzszene mit Watson im gelben Kleid -magisch!) gibt es drei neue Songs. Zudem bekommen die Figuren mehr Tiefe, so erfährt man etwa, warum Belles Mutter gestorben und das Biest so kaltherzig ist.

Unsere Meinung zu ‚Die Schöne und das Biest‘

Emma Watson bezaubert als Belle und überzeugt weitgehend auch mit ihrem Gesang, Dan Stevens' Performance ist toll animiert. Doch auch wenn Ian McKellen, Ewan McGregor und Emma Thompson mitspielen - und wunderbar performen: Luke Evans stiehlt als aufgeblasener und schmieriger Macho allen die Show. Großartig und magisch!

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