Die Qual der Wahl

Komödie, USA 2012
Erbitterte Konkurrenten in der Wahlkampfarena

Erbitterte Konkurrenten in der Wahlkampfarena

Im realen Leben kämpft Barack Obama um den Wahlsieg, auf der Leinwand wirbt Comedystar Will Ferrell um die Gunst der Bürger. In "Die Qual der Wahl" mimt er einen Politiker mit absurdem Geltungsdrang. Eine bitterböse Comedy mit reichlich schmutzigen Witzen.

Als Schüler hatte Cam Brady noch Träume. Damals, als sich so viele Mitschüler an der verrostet-kantigen Rutsche auf dem Spielplatz verletzten. Damals, als er Schülersprecher wurde und sein einziges Wahlversprechen einlöste: die Rutsche abreißen. Vier Jahrzehnte später gibt Brady in der Komödie "Die Qual der Wahl" weiter fleißig Wahlversprechen, seine Ideale hat er jedoch eingebüßt - und es sich als Kongressabgeordneter bequem gemacht im politischen Alltag. Doch dann taucht ein naiver Newcomer auf, der ihm den Wahlsieg streitig machen will. Der Film ist ein derbes Polittheater mit Comedian Will Ferrell und "Hangover"-Star Zach Galifianakis - Ähnlichkeiten zum Pathos des realen US-Präsidentschaftswahlkampfes sind gewollt.

Worthülsen wie "Bildung ist unsere Zukunft" wiederholt der Leinwand-Politprofi Brady (Ferrell, "Die Stiefbrüder") immer wieder. Als "Rückgrat Amerikas" lobt er auf Wahlkampfveranstaltungen mal Banker, mal Bauern, mal Hausfrauen - oder auch ausgemergelte philippinische Billiglöhner eines Freizeitparks. Als er im Wahlkampf versehentlich einen Säugling schlägt, beschwert er sich bei den konsternierten Mitarbeitern: "Fragt mal jemand, wie es meiner Hand geht nach der Kollision mit diesem stählernen Baby-Kinn?" In einer späteren Szene muss noch ein kuscheliger Hund dran glauben, der Brady ebenfalls im Weg ist und kurzerhand niedergestreckt wird.

Regisseur Jay Roach hat reichlich Erfahrung mit derben Comedy-Zoten. Fast alle seine Filme wurden Kassenerfolge, ob "Meine Braut, ihr Vater und ich" oder die Austin-Powers-Filme. Die Komödien waren mit absurder Komik und deftigen Sexwitzen eher nichts für Feingeister. Das gilt auch für "Die Qual der Wahl". Wo immer möglich macht Hauptfigur Brady anzügliche Bemerkungen, er steigt mit Groupies und braven Hausmütterchen ins Bett. Den heimlich gefilmten Sex will er später in Wahlwerbespots verwerten, um seine Männlichkeit zu demonstrieren.

"Die Qual der Wahl" ist eine schwarzhumorige Screwball-Comedy, der nichts heilig ist - auch die Institutionen wie die Kirche oder Familienwerte generell bekommen ihr Fett weg. Wie in dem Genre nicht unüblich geht die Anekdoten-Aneinanderreihung allerdings etwas zu Lasten des Plots. Sind die schrill-überzogenen Witze vielleicht eine halbe Stunde lang lustig, nutzen sie sich in eineinhalb Stunden doch etwas ab.

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