Die Nacht singt ihre Lieder

Drama/ , D 2004
Wenn Worte durch Äußerlichkeiten ersetzt werden

Wenn Worte durch Äußerlichkeiten ersetzt werden

Mit der Adaption des Theaterstücks "Die Nacht singt ihre Lieder" vom norwegischen Erfolgsautor Jon Fosse gelang dem 39-jährigen Regisseur Romuald Karmakar einer der ungewöhnlichsten deutschen Spielfilme der letzten Monate. Vor allem die stilistische Strenge fällt auf, in der die Krise einer Ehe vorgeführt wird.

Romuald Karmakar konzentriert sich vollkommen auf die Unfähigkeit eines Paares, in Momenten des Zorns und des Leidens die richtigen Worte zu finden. Die von Anne Ratte-Polle und Frank Giering mit fast brachialer Heftigkeit verkörperten Protagonisten reden und reden, doch über das Eigentliche, ihre Gefühle, können sie nichts sagen. Sie erschöpfen sich in Äußerlichkeiten. Was den Film auf hintersinnige Art zum Spiegel der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft macht.

Vor allem dies ist Romuald Karmakar wichtig: "Ich möchte den Zuschauern das Mitdenken und Mitfühlen nicht ersparen. Mir gefällt es, wenn sich die Leute aufregen und dadurch angeregt werden, über sich selbst und über die Gesellschaft, in der wir leben, nachzudenken." Ergänzend fügte er hinzu: "Es ist eines meiner wesentlichen Ziele, Wirklichkeit zu spiegeln. Und ich denke, wir Regisseure dürfen uns nicht immer nur extremen Figuren zuwenden. Die Spiegelung von Alltag in der so genannten bürgerlichen Mitte ist einer der entscheidenden Gründe, weshalb ich das Theaterstück von Jon Fosse unbedingt verfilmen wollte."

Die Entdeckung des Films ist die Kino-Debütantin Anna Ratte-Polle im Part der namenlosen jungen Frau. Nach Abschluss ihres Studiums wurde sie 1999 gleich in ihrer ersten Bühnenrolle als "Effi Briest" am Staatstheater Cottbus von den Rezensenten gefeiert. Mit der schon da gezeigten Fähigkeit, einer Figur mit geringsten schauspielerischen Mitteln Charakter und Tiefe zu verleihen, brilliert sie nun auch in ihrem ersten Spielfilm. Selbst in Momenten stummer Zurückgezogenheit schreit sie die Verzweiflung der am alltäglichen Stumpfsinn einer Ehe ohne Leidenschaft krankenden Frau geradezu heraus.

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