Die Migrantigen

Komödie, A 2017

Benny und Marko sind als "Tschuschen" sehr gefragt

Kann man eine Komödie über Ausländer in Österreich machen? Wenn sie so gut ist wie dieser Film, dann ja!

Geht es im heimischen Kino um Ausländer, dann handelt es sich unter Garantie um ein freudloses Drama. Faris Rahoma sagt aber zu TV-MEDIA: „Wir wussten: Unsere Geschichte muss man mit Augenzwinkern erzählen.“ Wir, das sind neben Rahoma noch Aleksandar Petrovic und Arman T. Riahi. Nur Letzterer ist nicht hier geboren, sondern im Iran, aber schon als Kleinkind nach Österreich gezogen. Rahoma (ägyptischer Vater, steirische Mutter) ist in Weiz geboren, kam als Kleinkind nach Wien, Petrovic (serbische Abstammung) ist gebürtiger Wiener.

Jeder von ihnen ist im Glauben aufgewachsen, ein typischer Wiener zu sein. Rahoma, der im Gemeindebau Fußball spielte, ging es aber irgendwann auf die Nerven, die Frage zu beantworten, wo er herkommt, weil er Faris heißt: „Also hab ich mich irgendwann Andi genannt.“ Das ist das Fundament des Films ‚Die Migrantigen‘ (ein großartiger Titel übrigens), für den die drei das Drehbuch schrieben, Riahi führte Regie.

Darum geht’s in ‚Die Migrantigen‘

Im Mittelpunkt stehen Benny (Rahoma) und Marko (Petrovic), klassische Bobos vor dem Herrn: Hipster-Gewand, Lieblingsgetränk White Russian, im Radio läuft FM4. Dennoch werden ausgerechnet die beiden von der Dokufilmerin Marlene (Doris Schretzmayer) gefragt, ob sie ihr etwas über ihr Leben als Ausländer erzählen können.

Schwer davon genervt, gibt sich Benny als Omar Sharif aus und Marko als Tito. Zwecks Gaudi verfallen die beiden in „Tschuschen-Slang“. Also: keine Artikel, aggressiv-schräge Sprüche („Oida, ich geb dir Watsche mit Fuß“). Doch Marlene ist von so viel Authentizität begeistert und will die beiden für eine ganze Dokureihe vor die Kamera holen. Weil Benny, erfolgloser Schauspieler, und Marko, verschuldeter Werber, Geld brauchen, sagen sie zu. Dummerweise haben sie nicht den blassesten Schimmer, was es bedeutet, ein "Tschusch" in Österreich zu sein. Die beiden benötigen also einen Coach und geraten so an den türkischen Kleingangster Juwel (Mehmet Ali Salman).

Unsere Meinung zu ‚Die Migrantigen‘

Ursprünglich hatten Rahoma, Petrovic und Riahi vor sechs Jahren mit den Dreharbeiten für die Serie ‚Die neuen Wiener‘ begonnen, doch dann ging eine Produktionsfirma pleite, das Projekt war gestorben. Die Story zu ‚Die Migrantigen‘ basiert auf einer Folge dieser Serie. Vielleicht wird sie ja wiederbelebt, denn ihr Film, offensichtlich mit Herzblut gemacht, hat das, was eine Komödie braucht: Er ist lustig, hat keine Angst vor Political Un-Correctness, verzichtet trotz eindeutiger Botschaft (Zitat Juwel: „Ich bin ein Kosmopilot“) auf den moralischen Zeigefinger – und ist nebenbei kurzweilige 96 Minuten lang. Auf Festivals in Deutschland (Max Ophüls) und den USA (Nashville) gab es Publikumspreise, jetzt fehlt nur noch die Anerkennung in der Heimat!

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