Die Lincoln Verschwörung

Drama, USA 2010
Verschwörungstheorien im Visier

Verschwörungstheorien im Visier

Hollywoods liberaler Quertreiber hat eine uramerikanische Geschichte wiederentdeckt: Die Ermordung von Abraham Lincoln, dem legendären 16. Präsidenten der USA, ist der Hintergrund für Robert Redfords achtes Regiewerk "Die Lincoln Verschwörung". Nach der Buchvorlage von James D. Solomon hat Robert Redford einen aufrüttelnden Gerichtsfilm mit brisanten politischen Tönen inszeniert.

Jedes amerikanische Kind kennt die Fakten: Abraham Lincoln, Kämpfer für Demokratie und gegen Sklaverei, wurde am 14. April 1865 von dem fanatischen Südstaatler John Wilkes Booth während eines Theaterbesuchs in Washington niedergeschossen. Kurz zuvor war der blutige Bürgerkrieg mit der Kapitulation des Südstaaten-Generals Robert E. Lee zu Ende gegangen. Der US-Kongress hatte die Sklaverei für abgeschafft erklärt. In Robert Redfords "Die Lincoln Verschwörung" wird das Attentat selbst allerdings gschnell abgehandelt. In dem Plädoyer auf die amerikanische Verfassung geht es um die Nachwirkung einer nationalen Tragödie, um Militärtribunale, um die Abschaffung von Gesetzen und darum, wie nach Terrorangriffen Angst geschürt wird - vor 146 Jahren, gleich nach Lincolns Tod.

"Die Lincoln Verschwörung" dreht sich um den historischen Prozess gegen die Südstaatlerin Mary Surratt (Robin Wright), die zusammen mit einer Handvoll Männern als Mitverschwörerin des Lincoln-Attentäters angeklagt wurde. Die Witwe betrieb in Washington eine Herberge, in der Booth und seine Kumpanen gleich mehrere Mordanschläge auf Politiker ausheckten. War Surratt eine kaltblütige Verschwörerin oder eine ahnungslose Wirtin, die nur Unterschlupf bot? Kriegsminister Edwin M. Stanton (Kevin Kline), von ihrer Schuld fest überzeugt, stellte die Frau vor ein Militärtribunal, der übliche Jury-Prozess wurde ausgesetzt. Kaum jemand ist der Südstaatlerin gesonnen, nicht einmal ihr Anwalt glaubt an ihre Unschuld. James McAvoy ("Abbitte") mimt den jungen Frederick Aiken, einen hoch dekorierten Kriegshelden der Nordstaaten, der die Frau nur widerwillig verteidigt. Langsam schlägt sich der Anwalt auf die Seite von Surratt, als er merkt, dass in dem Schau-Tribunal Recht und Verfassung auf der Strecke bleiben.

Redford wollte es nach eigenen Bekunden vermeiden, Parallelen zwischen der öffentlichen Panik nach dem Lincoln-Attentat und nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 zu ziehen. Er sei schon oft als "zu linksgerichtet" eingestuft worden, sagte der Regisseur der "Salt Lake Tribune". In diesem Fall habe er sich einfach nur an die historischen Fakten gehalten. "Ich will es den Zuschauern und den Kritikern überlassen, diese Parallelen zu finden, ohne dass ich darauf herumreiten muss".

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