Die Kunst sich die Schuhe zu binden

Drama, S 2011
Grenzen überschreiten

Grenzen überschreiten

Nach "Vincent will Meer" und "Ziemlich beste Freunde" kommt nun eine schwedische Komödie um Menschen mit Behinderungen ins Kino. Der Film "Die Kunst sich die Schuhe zu binden" war in seiner Heimat schon ein großer Erfolg.

Behinderte brauchen oft Hilfe. Das ist klar. Doch die schwedische Komödie "Die Kunst sich die Schuhe zu binden" zeigt, dass ein Zuviel an Hilfe auch mehr an Beschränkung denn Selbstständigkeit bringen kann. Der Film besticht mit viel Witz und einer großen Authentizität. Die rührt vor allem daher, dass er auf einer wahren Geschichte beruht: Das in Schweden sehr bekannte Behinderten-Theater "Glada Hudik" ging einst aus einer Gruppe von betreuten Behinderten, die sich hier zum Teil selbst spielen, hervor.

Im Zentrum der Geschichte steht der nichtbehinderte Alex. Der Mittdreißiger durchlebt eine Krise. Privat läuft alles schief. Beruflich sieht es nicht besser aus. Es gibt keinen Job für den Schauspieler. Das Arbeitsamt schickt ihn in eine Einrichtung mit dem Namen "Paradies". Hier werden Erwachsene mit geistigen Behinderungen betreut. Doch diese Betreuung besteht fast nur aus Routine. Das will Alex ändern. Dabei eckt er rasch an.

Ein paar Streicheleinheiten, einige kleinere Holzarbeiten und immer wieder Übungen zum Binden der Schuhe - das ist mehr oder weniger alles, was den Schützlingen im "Paradies" geboten wird. Gehandelt wird nach dem Motto "Geduld und Struktur sorgen für Ordnung". Alex aber erkennt das schauspielerische und vor allem musikalische Potenzial der Betreuten und will mit ihnen zu einer Casting-Show nach Stockholm fahren.

Ein wesentlicher Konflikt der Geschichte resultiert daraus, dass die Eltern der Behinderten keineswegs froh sind über die Initiative von Alex. Besonders einer der Väter hat Angst, dass die Kinder zur Schau gestellt werden. Er fordert die Entlassung von Alex. Die Szenen dazu sind von großer Intensität und geben dem Film eine schöne Wahrhaftigkeit. Hier wird nicht, wie oft zu erleben, im Handumdrehen aufs Happy End zugesteuert.

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