Die Kinder von Paris

F 2010
Unerwünscht und abgeschoben

Unerwünscht und abgeschoben

"Die Kinder von Paris" beginnt mit der beispiellosen Massenrazzia am 16. Juli 1942, bei der über 13.000 Pariser Juden verhaftet werden, und endet mit einem Transport nach Auschwitz. Regisseurin Rose Bosch erzählt in ihrem zweiten Film die wahre Geschichte einer jüdischen Familie, die in die Fänge der Nazis gerät. Wie immer ist das eine tragische Geschichte. Wie immer berührt sie.

Joseph Weismann (Hugo Leverdez), ein elfjähriger Bengel, tobt mit seinen Freunden durch die Straßen am Montmartre, jenem Pariser Viertel rund um die Basilika Sacre Coeur. Seit ein paar Tagen müssen sie einen Judenstern tragen, doch ihrer Fröhlichkeit tut das keinen Abbruch. Erst als in der Nacht des 16. Juli französische Polizisten brutal in ihre Häuser eindringen und sie ins Radrennstadion Velodrome d'hiver abtransportieren, wird den Kindern klar, dass irgendetwas nicht stimmt.

Die sogenannte Razzia des Winter-Velodroms wurde lange tabuisiert in der französischen Geschichte. Der Film stieß einen gesellschaftlichen Diskurs in Frankreich an und lief in den Kinos äußerst erfolgreich. Grund für den Erfolg, war wohl auch die Authentizität. Bosch machte einen Überlebenden ausfindig, der bei der Razzia dabei war, und dem danach die Flucht aus dem KZ, gelang. Die Eckpunkte seiner Geschichte verwendete sie für das Drehbuch und ihn selbst machte sie zur Hauptfigur: Joseph Weismann.

Der Film versucht aus der Kinderperspektive zu erzählen, dieser Blick gelingt nicht immer. Das Ausmaß des Schreckens, den die jüdischen Familien bei dieser Aktion erleben mussten, wird aber so oder so deutlich. In das Radrenn-Stadion werden 7.000 Juden gepfercht. Die sanitären Verhältnisse sind ein Skandal, es gibt kein Trinkwasser, nichts zu Essen, die Toiletten sind verstopft, die Menschen pinkeln einfach in eine Ecke. Aber immerhin: "Wir sind noch zusammen, und wir sind noch in Frankreich", Josephs Vater bleibt optimistisch.

Im Stadion tritt auch Jean Reno auf den Plan, er spielt den Arzt Dr. Sheinbaum und kümmert sich um die Kranken. Es ist ein sanfter und gebrochener Reno, der in "Die Kinder von Paris" auftritt. Kein Wunder, schließlich ist auch Dr. Sheinbaum Jude und seine Zukunft ungewiss. Die charakterstarke Krankenschwester Anette (Melanie Laurent) agiert an Renos Seite. Als die Juden nach fünf Tagen zu einem Transitlager südlich von Paris abtransportiert werden, wird Anette zur zentralen Figur. Sie begleitet die Kinder und verlässt sie auch im Lager nicht, ja sie geht sogar soweit, nur jene Essensrationen zu verzehren, die auch die Kinder bekommen - um zu beweisen, dass das viel zu wenig ist. Die Krankenschwester opfert sich auf, wird immer schwächer und kränker, ihr Charakter jedoch immer stärker. Dass die Kinder schließlich "in den Osten" transportiert werden sollen, kann sie kaum fassen.

"Wir sind doch viel zu viele, der Aufwand wäre zu groß", sinnierte Josephs Vater noch im Stadion. Wie unrecht er damit haben sollte. Von den 13.152 verhafteten Juden kehrten nach Kriegsende nur 25 Erwachsene zurück. Alle 4.051 Kinder starben.

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