Die Jagd

Drama, DK 2012
Lucas (Mikkelsen) in Bedrängnis

Lucas (Mikkelsen) in Bedrängnis

Kaum ein Verbrechen erschüttert wohl mehr als der Missbrauch von Kindern. Doch was, wenn der mutmaßliche Täter selbst das Opfer ist - wenn der Angeklagte unschuldig ist? Mads Mikkelsen brilliert in Thomas Vinterbergs Drama "Die Jagd" um vermeintlichen Kindesmissbrauch.

Der ehemalige Lehrer Lucas (Mikkelsen) kümmert sich im Kindergarten liebevoll um die ihm anvertrauten Kinder, kämpft nach einer schmerzhaften Trennung mit viel Herz darum, mehr Zeit mit seinem Sohn Marcus verbringen zu können, geht zurückhaltend auf Avancen einer jungen Kollegin ein, pflegt alte Freundschaften und ist auch sonst ein hoch respektiertes Mitglied der kleinen Dorfgemeinschaft. Als ein kleines Mädchen, die Tochter seines besten Freundes, dem überraschten Kindergärtner einen Kuss auf den Mund gibt, macht Lucas dem Mädchen in netten, unaufgeregten Worten die Grenzen klar.

Doch genauso korrekt versucht auch die Kindergartendirektorin (Susse Wold) zu handeln, als sich die kleine Klara (Annika Wedderkopp) für ihre Zurückweisung rächt, indem sie Lucas vorwirft, ihr seinen Penis gezeigt zu haben. Eine glatte Lüge, die aber nicht infrage gestellt wird. Und bevor die Polizei noch überhaupt eine Untersuchung eingeleitet hat, sind die heiklen Anschuldigungen bereits Allgemeingut, ist von Unschuldsvermutung keine Rede und Lucas, der nicht weiß, wie ihm geschieht, als Kinderschänder gebrandmarkt. Und schon bald kämpft Lucas nicht nur um seinen Ruf, sondern auch ums nackte Überleben.

"Die Jagd" ist kein Missbrauchsdrama, sondern ein Film um Lüge und Wahrheit, um den dünnen Boden der Zivilisation, der auch dann rasch einbrechen kann, wenn alle Beteiligten eigentlich nichts Böses wollen. "Für mich ist es ein Film über verlorene Unschuld", erklärte Vinterberg im APA-Interview. "Ich glaube, wir haben etwas verloren. Ich bin in den 1970er-Jahren zwischen nackten Menschen aufgewachsen, wie ich es ja auch in meinem Stück 'Die Kommune' zeige. Damals konnte ein Lehrer problemlos ein weinendes Kind umarmen. Das ist vorbei. Dieses warme Zusammengehörigkeitsgefühl ist aber ersetzt worden durch etwas Dunkles, Böses, Verdächtiges - es ist wie in einem Märchen von Hans Christian Andersen. Darüber wollte ich einen Film machen."

Mads Mikkelsen spielt Lucas nicht nur, er lebt ihn, haucht ihm Tiefe ein, zeigt ihn als zerbrechlichen, aber auch selbstbewussten Mann, der nicht aufgibt. Für seine Leistung in "Die Jagd" wurde Mikkelsen beim Filmfestival Cannes dann auch zu Recht als bester Darsteller ausgezeichnet.

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