Die Invasion der Barbaren

Drama/Komödie, CDN/F 2003

In TV und Kino finden: Remy Girard, Stephane Rousseau, Dorothee Berryman, Denys Arcand

"Invasion der Barbaren" bekam den Auslands-Oscar

"Invasion der Barbaren" bekam den Auslands-Oscar

Dem "Untergang des amerikanischen Imperiums" folgt nun "Die Invasion der Barbaren". Der kanadische Filmemacher Denys Arcand hat die Protagonisten seines Meisterwerkes aus dem Jahr 1986 nach 17 Jahren wieder zusammen-, den Film zu Oscar-Ehren und nun auch in die heimischen Kinos gebracht.

Eine Clique Intellektueller, die seinerzeit mitten im Leben stand und über Sex und den Zustand der Welt philosophierte. Genussmenschen, verstrickt in Amouren und gestörte Beziehungen. Am Krankenbett von Rémy (Rémy Girard) sehen sie sich wieder. Es sind gealterte Hedonisten, die - existenzialistisch, marxistisch, maoistisch und schließlich feministisch - keinen "Ismus" ausgelassen haben.

Auch nicht den Antiamerikanismus, den der Geschichtsprofessor Rémy in seinen Untergangs-Thesen damals auf den Punkt brachte. Nach dem Schock vom 11. September ist das Imperium erschüttert und zum ersten Mal in seiner Geschichte bedroht von "der Invasion der Barbaren". So erklärt es ein junger Fernsehkommentator, der die Philosophie seiner alten Uni-Professoren weiterdenkt.

Arcands wiederum großartige Fortschreibung seines Gesellschaftsporträts markiert eine Zeitenwende. Rémy, dem auch die tödliche Krankheit nichts von seiner Streitlust genommen hat, sieht sich im Zeitalter der Barbarei gestrandet. Seinem Sohn Sébastian (Stephane Rousseau) wirft er vor, kein einziges Buch gelesen zu haben. Sebastian, ein erfolgreicher Verfechter des materiellen Pragmatismus, verfügt dafür jedoch als Börsenmakler über die Mittel, seinem Vater das Sterben zu erleichtern.

Die Geschichte eines bevorstehenden Todes ist so humorvoll und voller Esprit wie Arcands Figuren. Sarkastisch und dennoch bewegend fügt sie sich in die veränderten Weltläufe ein. Die selbstironische Bilanz einer von den Entwicklungen überholten Intellektuellengeneration und ihrer Schmerzen steckt voller Bonmots, die Figuren wie Remy und seine Freunde wie auf Knopfdruck produzieren - lustvoll, manchmal auch lüstern, geistreich bis zum Ende.

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