Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott

Drama/Fantasy, USA 2017

Auf der Suche nach dem Mörder seiner Tochter trifft Mack auf Gott

in seit dem Mord an seiner Tochter gebrochener Mann (Worthington) trifft in einer Hütte auf Gott, Jesus und den Heiligen Geist - in Gestalt einer Schwarzen, einer Asiatin und eines Orientalen. Rührselige Verfilmung des Bestsellers (2007) von William P. Young.

Darum geht‘ in ‚Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott‘

Glaube in den USA, das ist ein schwieriges Thema: Viel öffentlicher als hierzulande leben die Amerikaner ihre Religion in riesigen Kirchen aus und fordern von Nachbarn und Präsidentschaftskandidaten Bekenntnisse zum Christen-Gott. Jede Buchhandlung macht ganze Regalmeter für Buß- und Bet-Literatur frei, christliche Musiker verkaufen Hunderttausende CDs mit sogenannter "Worship"-Musik. Bei Religion und Glaube in US-Kinos wird die Sache aber ein wenig komplizierter.

Zuletzt gab es dort zwei Arten von Filmen, mit denen sich Regisseure den großen spirituellen Fragen zu nähern versucht haben. Diejenigen Filme, die Religion als tiefgründigen, spirituellen Prozess beschreiben - eine langwierige Selbstbefragung. Und diejenigen, die wie "Die Hütte" Religion als New-Age-Wohlfühlspektakel darstellen.

Wie massiv die erste Variante floppen kann, weiß Superstar Martin Scorsese. Sein über Jahrzehnte geplantes Herzensprojekt "Silence" ging an den Kinokassen brutal unter. Zu sperrig war vielen das unbequeme Drama über portugiesische Missionare im Japan des 17. Jahrhunderts.

Den zweiten Weg geht "Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott" von Regisseur Stuart Hazeldine. Religion ist hier ein nettes Wohlfühlangebot, inklusive einem Garten Eden mit üppigem Wildblumengarten und frisch gebackenem Brot. Das sind zumindest zwei der Dinge, die Mackenzie "Mack" Allen Philips (Sam Worthington) vorfindet, als er einer seltsamen Einladung folgt. In seinem Briefkasten liegt eines Tages die Aufforderung, in die Hütte zurückzukehren, in der Jahre zuvor das blutgetränkte Kleid seiner entführten Tochter gefunden wurde.

Bei einem Campingausflug war Missy in einem Moment der Unachtsamkeit verschwunden, seitdem leidet Mack unter Schuldgefühlen. Unterschrieben ist die Einladung an ihn mit "Papa", dem Familien-Kosenamen für Gott. Der Vater entscheidet sich hinzufahren und trifft in der Hütte auf Gott, Jesus und den Heiligen Geist. Sie stellen ihn spirituell auf die Probe und helfen ihm so dabei, die Trauer zu überwinden.

Soviel zur Rahmengeschichte. Hazeldine wählt für die Buchadaption stets die maximal dekorative Option. Mit dem dunkelgelockten Jesus (Aviv Alush) läuft Mack Wettrennen über Wasser, die Japanerin Sumire Matsubare gibt den stets mit Weichzeichner umgebenen Heiligen Geist und Octavia Spencer dient als gütiger Gott mit großartigen Back-Kenntnissen.

Wer mag, kann in den Besetzungsentscheidungen immerhin eine Erweiterung des üblichen Bibelverständnisses vieler Strenggläubiger sehen: Gott ist eine schwarze Frau, der Heilige Geist kommt aus Asien und Lockenkopf Jesus ist äußerlich nahe an dem, was viele mit Terroristen verbinden. Wirklich infrage stellt der Film den Klerus aber nur am Rande. Jesus sagt zwar, dass Religion "zu viel Arbeit" sei und anders als der reine Glaube funktioniere ("Ich will keine Sklaven, ich will Freunde") - das war es dann aber auch schon.

In der restlichen Zeit fallen über mehr als zwei Stunden vollkommen ironiefreie Sätze, während die Kamera zu Streichinstrumenten über üppige Paradieslandschaften gleitet. "Es steht in der Bibel, also muss es wahr sein", ist da noch eines der subtileren Beispiele. 

Unsere Meinung zo ‚Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott‘

Angelegt im Mittleren Westen ist schnell klar, auf welches Publikum der Film zielt: Strenggläubige Evangelikale, die furchtlos Lust auf eine kitschige Erbauungsbotschaft haben. Von ihnen gibt es in den USA viele, immer wieder sind in den letzten Jahren ähnliche Filme wie "Himmelskind" mit Jennifer Garner und "Gott ist nicht tot" zu großen Hits geworden. Es ist die gleiche Zielgruppe, die auch das dem neuen Film zugrunde liegende Buch des Kanadiers William Paul Young zum Millionenbestseller aufgebaut hat. Mehr als ein Jahr stand es auf der Bestsellerliste der New York Times. Sie lieben auch die Verfilmung "Die Hütte" und verhalfen dem Streifen zu einem guten Einspielergebnis und positiven Bewertungen, die auf den Kino-Branchenportalen im Widerspruch zu denen der Berufskritiker stehen.

Und immerhin: Zynisch oder böswillig sind weder Buch noch Film. Wer es schafft, den eigenen Ironieschalter umzulegen und Lust auf warmherzige, religiöse Botschaften hat, bekommt einen bedeutungsschweren Film über Verlust und Trauer, über Güte - und schließlich Heilung.

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