Die Hölle - Inferno: Junge Taxifahrerin erlebt einen Albtraum

Thriller, D/A 2017

Taxifahrerin Özge traut niemandem

Der Oscar-Regisseur schickt Violetta Schurawlow und Tobias Moretti in ein höllisch spannendes, blutiges Katz-und-Maus-Spiel

Um es vorweg zu sagen: Hier wird, zumindest nach den Traditionen des österreichischen Filmschaffens, endlich wieder einmal Neuland betreten, das zuvor ein weißer Fleck auf der Austrofilm-Landkarte war. Ja, es gab in den letzten Jahren wohl immer wieder Versuche, beinharte Thriller, die internationale Vergleiche nicht zu scheuen brauchen, auf die Leinwand zu bringen. In Erinnerung geblieben ist kaum etwas davon - sieht man von den ‚Brenner‘-Verfilmungen ab, die auch teilweise hart waren, aber skurrile Figuren stets weit vor die Thriller-Handlung stellten. Es ist wohl kein Zufall, dass es wieder einmal die innovative heimische Allegro-Filmproduktion war, die diesen Stoff angenommen und umgesetzt hat. Das Team rund um Produzent Helmut Grasser hatte auch schon vor drei Jahren erkannt, dass man den Heimatfilm wiederbeleben kann, wenn er mit Westernelementen rau, spannend und blutig angereichert wird -und mit ‚Das finstere Tal‘ unter der Regie von Andreas Prochaska einen bestens besuchten und vielfach prämiierten Austrohit gelandet.

Darum geht es in ‚Die Hölle – Inferno‘:

In der Nacht zählt das Recht des Stärkeren. Das hat die zähe, herbe Wiener Taxifahrerin mit türkischen Wurzeln Özge (grandios: Violetta Schurawlow) seit jeher verinnerlicht -sei es im vorstädtischen Kickbox-Ring, wo sie ihre Gegner auch krankenhausreif prügelt, wenn ihr die Sicherungen durchbrennen. Oder wenn es darum geht, sich den Weg freizumachen, wenn ihr Macho-Großmäuler diesen versperren. Ausgerechnet diese durch eine höllische Kindheit traumatisierte Frau schaut im falschen Moment aus ihrem Fenster. Sie beobachtet in der Gegenüberwohnung, wie ein Frauenmörder (Sammy Sheik) eine Prostituierte bestialisch foltert und tötet. Er nimmt von der Zeugin Notiz und macht von nun an Jagd auf sie. Die Polizei in Gestalt des zynischen und rassistischen Inspektors Steiner (Tobias Moretti) ist vorerst keine Hilfe. Doch als der Täter aus Versehen ihre Cousine umbringt und auch Özge beinahe stirbt, dreht die junge Türkin den Spieß um und wird zur Jägerin...

Unsere Meinung zu ‚Die Hölle – Inferno‘:

Österreichs Oscar-Regisseur Stefan Ruzowitzky liefert hier nach einem Drehbuch von Martin Ambrosch (‚Das finstere Tal‘) Außergewöhnliches ab. Dabei ist die Story sehr simpel und ohne große Überraschungen: Frau sieht zu viel, Frau wird gejagt, Frau dreht den Spieß um und wird zur Jägerin. Mehr braucht es nicht, um sauspannendes Kino zu erzeugen – wenn die Figuren passen. Und die sind das Herzstück von ‚Die Hölle‘. Sie sorgen aus ihren Brüchen und Untiefen für die nötigen Wendungen und Überraschungen. Sie sorgen auch für den überraschenden, galligen Humor, der zwischendurch nötig ist, um die harte Kost verdauen zu können. Violetta Schurawlow ist eine Idealbesetzung für die herb-attraktive Özge; ihr Gesicht erzählt die Geschichte der Figur ohne ein nötiges Wort. Anfangs fragt man sich, was Tobias Moretti hier als Polizist Steiner für eine seltsame Show abzieht, bis dieser im Privatleben mit seinem Vater (Kompliment an Friedrich von Thun) gezeigt wird -und plötzlich passt alles fugenlos.

Wirklich großartig sind Spannungsbogen und Action; die Autojagd quer durch Wien (keine Verfolgung, sondern eine Amokfahrt, weil die lenkende Özge mit ihrem Peiniger um ihr Leben fightet) hat internationales Niveau. Dass man über den Serienmörder selbst nur mitbekommt, dass er ein religiös entzündeter, fanatischer Frauenhasser ist, genügt voll und ganz. Er ist brutal, fies und völlig durchgedreht, mehr Motivation und Eigenschaften braucht so ein Antagonist nicht und stellt auch keine übertriebenen Anforderungen an Sammy Sheik (‚American Sniper‘, ‚Lone Survivor‘, ‚Homeland‘). Und Robert Palfrader überzeugt als gebrochener Taxi-Capo mit Balkan-Akzent.

Dass Die Hölle am Ende „nur“ drei statt der ansonsten verdienten vier Bewertungspunkte bekommt, liegt an vereinzelten DarstellerInnen mit ihren kurzen Performances, die so daneben liegen (obwohl sie teilweise nachsynchronisiert wurden, um das Schlimmste zu verhindern), dass sie einen aus dem Flow reißen und es ein paar Minuten dauert, bis man wieder von der Handlung gefangen wird. Fazit: Nix für zarte Gemüter; ein toller frischer Wind für die zuletzt so energiearme heimische Kinofilm-Szene.

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