Die Haut, in der ich wohne

Drama, E 2011
Antonio Banderas als moderner Frankenstein

Antonio Banderas als moderner Frankenstein

Spaniens Regiestar Pedro Almodovar meldet sich zurück - dunkler und mitleidsloser als je zuvor. Mit "Die Haut, in der ich wohne" ist dem Meister der skurrilen Halbweltdramen ein Psychothriller gelungen, welcher zwar dem Almodovar'schen Themenuniversum entspringt, das sich um Genderidentität und Freiheit dreht, die Filmsprache des Regisseurs jedoch in eine bis dato ungekannte Richtung erweitert.

Der Chirurg Robert Ledgard (Antonio Banderas, nach 21 Jahren wieder in einem Almodovar-Film zu sehen) hält in seinem Landhaus die schöne Vera (Elena Anaya) gefangen, die rund um die Uhr von ihm überwacht wird. Er verpflanzt ihr über Jahre eine von ihm entwickelte künstliche Haut, nachdem er die ihre sukzessive verbrannt und abgetragen hat. Unterstützt in der klaustrophoben Atmosphäre des Anwesens wird Ledgard von der Hausangestellten Marilia (die alte Almodovar-Muse Marisa Paredes). In einer für Almodovar typischen Verschachtelung an Rückblenden erhellt sich sukzessive das gesamte Panoptikum eines Psychopathen, der Rache nimmt am vermeintlichen Vergewaltiger seiner Tochter (Jan Cornet) und sich dabei als moderner Frankenstein geriert.

So tief in die dunkelsten Seiten des Menschen hat der spanische Experte für marginalisierte Gruppen wohl noch nie geblickt wie in "Die Haut, in der ich wohne", der auf dem Roman des Franzosen Thierry Jonquet basiert. Für die Reise in die Welt des Thrillers setzt Almodovar jedoch auf seine bewährte Filmfamilie: Neben Banderas und Paredes hat auch Anaya schon mit dem Regieguru gedreht ("Sprich mit ihr"). Für die Musik zeichnet wieder einmal Hauskomponist Alberto Iglesias verantwortlich, hinter der Kamera stand erneut Jose Luis Alcaine und für die Produktion zeichnete traditionell Bruderherz Agustin Almodovar verantwortlich.

In bekannt großer, farblich mit Retroeffekten spielender Bildästhetik wird in oftmals symmetrischen Aufnahmen die mitleidslose, kalte Welt des Peinigers und seines Opfers inszeniert. Die sonst Almodovar eigene Ironie, sein lebensbejahender Sarkasmus fehlen hierbei völlig. Banderas spielt seinen psychopathischen Charakter empathiefrei mit ausdrucksloser Miene, Anaya das misshandelte Wesen Vera mit ätherischer Unnahbarkeit. Diese Konstellation entfaltet sich dabei in aller Ruhe, ohne jegliche Hektik, dabei umso komplexer konstruiert. Im gänzlich überwachten Haus entspinnt sich ein Spiel der Monitore, gewinnt die androgyne Kunst Louise Bourgeois' für die Gefangene Bedeutung.

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