Die große Stille

Dokumentation/ , F/CH/D 2005
Ohne Worte

Ohne Worte

Wer schweigen will, braucht einen langen Atem. Das ist eine der Erfahrungen, die der Film "Die große Stille" vermitteln kann. Einen langen Atem hat Philip Gröning bewiesen. 16 Jahre lang hat der Regisseur auf die Erlaubnis gewartet, als erster das Leben hinter den Klostermauern der "Grande Chartreuse" zu filmen.

Die Kartäuser sind eine der strengsten Ordensgemeinschaften der katholischen Kirche. Den Großteil ihres Lebens verbringen sie schweigend und allein, ihre Zeit straff strukturiert zwischen Arbeit und Ritual. Fast ein halbes Jahr lang durfte Gröning das Leben der Mönche teilen und mit der Kamera begleiten. Die Bedingung war, allein zu filmen und ohne künstliches Licht, Kommentare und zusätzliche Musik. 120 Stunden Material nahm er mit einer hochauflösenden sowie einer Super 8 Kamera auf und ordnete es in weiteren zweieinhalb Jahren zu einer Form, die den regelmäßigen Rhythmus des Klosterlebens als filmische Kontemplation umsetzt.

Am Anfang steht das Gesicht eines ins Gebet versenkten Mönchs, das in der Großaufnahme als Antlitz eines Schlafenden erscheint, es wird überblendet in einen weißen Himmel, Flocken fallen, dann lodern Flammen auf. Der Betende kniet in seiner von einem Holzofen beheizten Zelle. Gröning dokumentiert den Alltag des Klosters von dieser kleinsten Raumeinheit über die ganz handfesten Tätigkeiten in der Küche, im Garten, in der Schneider- oder Schusterwerkstatt, bis zu den Messen und Andachten und den gemeinsamen sonntäglichen Mittagessen und Spaziergängen, bei denen auch gesprochen werden darf. Dazwischen immer wieder erhabene Bilder der Klosteranlage in den französischen Alpen und buchstäbliche Still-Leben, lyrische Moment-Aufnahmen in malerischer Super 8 Optik.

Bei der Premiere 2005 in einer Nebenschiene der Filmfestspiele von Venedig verließen die Kritiker reihenweise den Saal. Wenn aus der Leere Neues entsteht, sollte das zuversichtlich stimmen. Nicht nur die Kartäuser, auch die Zuschauer scheinen dafür bereit zu sein. Während die vermeintlichen Blockbuster voriges Jahr immer weniger Publikum fanden, zog "Die große Stille" allein in Deutschland 170.000 Leute ins Kino.

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