Die Goldfische

Komödie, Deutschland 2018

Die Goldfische

Diese deutsche Komödie wird für Gesprächsstoff sorgen: In Die Goldfische haben alle Protagonisten eine Behinderung!

Filmkritiker schauen sich Kinofilme vorab in sogenannten Pressevorführungen an. Sie finden tagsüber statt, nur Journalisten dürfen teilnehmen. Nach der Vorführung von Die Goldfische beobachtete TV-MEDIA, wie die Kollegin einer anderen Zeitschrift der Dame von Sony Pictures mit ernstem Gesicht mitteilte, dass es da sicher Ärger geben würde – und viele Behindertenverbände einen Aufstand machen würden. Was verstörte die Kollegin nur so sehr? Die Goldfische ist eine deutsche Komödie mit zugegebenermaßen sensiblem Thema:

Zunächst steht der schnöselige Portfolio- Manager Oliver (Tom Schilling) im Mittelpunkt, der zu Beginn des Films im Stau steckt und droht, zu einer immens wichtigen Präsentation zu spät zu kommen. Also überholt er mit irrem Tempo auf der Gegenfahrbahn, wo ihm prompt ein Auto entgegenkommt. Tragische Folge: schwerer Unfall, Oliver wacht im Spital auf und kann seine Beine nicht mehr bewegen. Fortan lebt er in einer Einrichtung mit anderen Menschen mit Behinderungen zusammen, was Oliver aber gar nicht passt.

Er hängt dauernd am Laptop, wo er versucht, Business zu machen, und schaut auf alle anderen, obwohl unten sitzend, von oben herab. Eines Tages bekommt er einen Anruf: Das deutsche Finanzamt macht Jagd auf Steuersünder, auch sein Schweizer Konto mit mehr als einer Million Euro Schwarzgeld droht aufzufliegen. Jetzt heißt es ab in die Schweiz. Aber wie? Und wie das Geld schmuggeln? Die glorreiche Idee kommt Oliver, als er sieht, wie die blinde Magda (Birgit Minichmayr) in einem Supermarkt Whisky klaut, aber trotz piepsender Diebstahlsicherung unbehelligt bleibt -Behinderte würden doch nichts stehlen! Magdas Kommentar: "Es hat alles seine Vorteile." Also spendiert Oliver seiner WG, die sich Goldfische nennt, einen Bustrip in die Schweiz. Die Betreuerin (Jella Haase), Magda, die Autisten Michi (Jan Henrik Stahlberg) und "Rainman" (Axel Stein) und Franzi (Luisa Wöllisch), die das Down-Syndrom hat, ahnen nicht, dass Oliver einen Abstecher in seine Bank plant, nur Fahrer Eddy (Kida Khodr Ramadan) weiß Bescheid. Ein todsicherer Plan: Welcher Zöllner hält bitte diese Reisegruppe auf? Aber natürlich kommt alles anders

Feiner Unterschied

Die eingangs erwähnten Befürchtungen der Kollegin sind nicht ganz nachvollziehbar. Die Goldfische macht sich nicht über Behinderungen lustig, es sind Leute mit Behinderungen im Zentrum der lustigen Geschichte. Das ist ein feiner Unterschied, und daran ist auch nichts falsch. Der Verfasser dieser Zeilen hat seinen Zivildienst in einen Behindertenorganisation geleistet und dort gelernt, dass auch Rollstuhlfahrer und Autisten viel Humor und Selbstironie besitzen. Auch Goldfische-Regisseur Alireza Golafshan (kam mit zwölf Jahren aus dem Iran nach Deutschland), dessen Vater im Rollstuhl saß, sagt im TV-MEDIA-Interview (siehe links unten):"Mein Vater und ich waren den Ansicht, dass Behinderungen in Filmen überdramatisiert werden. Auch sie haben das Recht, Teil einer Komödie zu sein." Der einzige Vorwurf könnte nur lauten, dass die Gags nicht lustig sind. Aber das sind sie. Viel Spaß!

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