Die Frau mit den 5 Elefanten

CH/D 2009
Swetlana Geier ist belesen und sehr herzlich

Swetlana Geier ist belesen und sehr herzlich

Das Vorhaben, bei dem man Swetlana Geier in "Die Frau mit den 5 Elefanten" beobachten darf, könnte gigantischer kaum sein: die Neuübersetzung der fünf großen Werke des russischen Schriftstellers Fjodor M. Dostojewskij. Allerdings ist dieser Literaturbezug nur der Ausgangspunkt für den Film von Vadim Jendreyko, der viel mehr das Leben und auch die Leiden dieser sehr belesenen Frau nachzeichnet.

Schon die erste Einstellung der 1923 in der Ukraine geborenen Geier zeigt, worauf die berührende Dokumentation den Fokus richtet: auf sie, auf diese über 80-jährige Frau mit gebeugtem Körper und wachen Augen. In Großaufnahme spricht sie über das Verhältnis von Originalausgabe und Übersetzung, über die Flüchtigkeit des Letzteren und blickt dann direkt in die Kamera. Ab diesem Zeitpunkt macht sich beim Zuseher schon eine gewisse Sympathie für diese intellektuelle und herzliche Frau breit.

Seit etwa 60 Jahren arbeitet Geier als Übersetzerin von russischer Literatur ins Deutsche. In ihrer Jugend musste sie miterleben, wie ihr Vater bei Stalins politischen Säuberungen verhaftet wurde und wenige Zeit nach seiner Entlassung verstarb. Sie verliert ihre beste Freundin, als SS Kommandos in Kiew 30.000 Juden hinrichten. Dank ihr Deutschkenntnisse kann sie als Dolmetscherin arbeiten und begegnet im Laufe des zweiten Weltkriegs Menschen, die sich für sie einsetzen und letztlich ihr Überleben sichern. Die Dankbarkeit dafür, unabhängig von den begangenen Gräueln, ist ihr bis heute anzumerken. Geier kommt mit ihrer Mutter nach Deutschland, kann studieren und gründet eine Familie.

Dem Film gelingt es außerordentlich gut, die persönliche Geschichte Geiers mit Aspekten der Übersetzungen zu verknüpfen, wohl auch deshalb, da Literatur und vor allem das Werk Dostojewskijs ihre ständigen Begleiter sind. Am deutlichsten zu sehen und auch zu spüren ist dies auf einer Reise in die Ukraine. Es ist das erste Mal seit 1943, dass Geier ihr Geburtsland besucht. Bei Gesprächen mit Studenten, Taxifahrern, Zollbeamten oder ihrer Enkelin, die sie begleitet, lässt sie immer wieder Gedichte oder literarische Gleichnisse einfließen.

Jendreykos Porträt dieser großen Übersetzerin verknüpft persönliche Erinnerungen und das Alltagsleben der Protagonistin mit Archivbildern zu einem homogenen Ganzen, das berührend und bedrückend gleichzeitig geraten ist. Vielleicht bleiben deshalb auch jene Szenen, die Geier mit ihren beiden Vertrauten Frau Hagen und Herrn Klodt bei der aktiven Übersetzungsarbeit in ungemeiner Leidenschaft und bisweilen geradezu komischer Ernsthaftigkeit zeigen, besonders in Erinnerung.

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