Die Entführung des Michel Houellebecq

Komödie/Drama, F 2014
Michel Houellebecq sieht sich nicht als Opfer

Michel Houellebecq sieht sich nicht als Opfer

Michel Houellebecq kann auch lustig: In der französischen Komödie "Die Entführung des Michel Houellebecq" wird der gefeierte Schriftsteller während einer Lesereise entführt, was im Internet die wildesten Gerüchte auslöst. Aber wer soll das Lösegeld bezahlen?

Michel Houellebecq spielt Michel Houellebecq. Das bringt einiges an Erwartungen mit sich, gilt der 58-jährige Autor doch als das enfant terrible der französischen Literatur schlechthin, als ruppiger, kratzbürstiger, misanthropischer Typ, der sich kettenrauchend, Rotwein trinkend und vor sich hin nuschelnd wenig aus seinen Mitmenschen macht. In der Rolle des Schriftstellers Houellebecq widerlegt der Schauspieler Houellebecq diese Vorurteile keineswegs. Im Gegenteil: Es erschreckt einen, wie verwahrlost und gealtert der Literaturstar wirkt. Ob er dabei seine Lebensrolle lustvoll variiert oder ganz unverstellt die Leinwand füllt, ist eines der Geheimnisse des Films. Eines ist jedoch unübersehbar: Die Rolle macht Houellebecq Spaß.

Der Film spielt mit einem Gerücht, das im September 2011 die Runde machte, als Houellebecq für einige Zeit unauffindbar war statt eine Lesereise für seinen Roman "Karte und Gebiet" zu absolvieren: Der umstrittene Starautor sei Opfer einer Entführung geworden, wurde da gemutmaßt, womöglich gar durch Al-Kaida? Tatsächlich nimmt der Film, der zuvor mit dokumentarischer Anmutung vom unspektakulären Alltag des Autors erzählt, nach wenigen Minuten eine dramatische Wendung: Von drei Männern wird er beim Aufsperren seiner Wohnung überwältigt, gefesselt und geknebelt und bald darauf in einer Kiste abtransportiert.

Zum Krimi wird "Die Entführung des Michel Houellebecq" dadurch allerdings noch lange nicht. Stattdessen entwickelt sich ein geradezu gemütliches Home-Movie mit zunehmend bizarren Qualitäten. Auf Maskierung verzichtet die skurrile Gang, die mit ihrem Entführten am Küchentisch bald angeregte Gespräche über Gott und die Welt, Literatur und Politik führt, mit dem schmächtigen Mann eine kleine Übungsstunde in Martial Arts absolviert und ihn mit reichlich Alkohol und Nikotin versorgt. Sie bestellen ihm nicht nur einen Arzt, um seinen chronischen Ohrenschmerzen auf den Grund zu kommen, sondern auch eine Prostituierte, mit der er eine entspannte Geburtstagsnacht verbringen darf.

"Die Entführung des Michel Houellebecq" wurde beim Tribeca Film Festival in New York ausgezeichnet, bei der Berlinale erregte die Komödie Aufsehen.

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