Die beste aller Welten

Drama, A/D 2017

Verena Altenberger kämpft als heroinkranke Mutter um ihren Sohn

Eine Kindheit in Salzburg mit Eltern, die drogenkrank sind: trotz des Themas jede Minute ein Gewinn und sehenswert!

Salzburg, Ende der 1990er-Jahre: Der kleine Adrian (Jeremy Miliker, ein süßes Riesentalent) lebt mit seiner Mutter Helga (Verena Altenberger) in einer kleinen Wohnung im Chaos. Alle Erwachsenen im Umfeld, die dauernd kommen und gehen, sind schwerst drogensüchtig – trotzdem versucht Helga in ihren klaren Momenten, dem aufgeweckten Buben eine so normale, liebevolle Kindheit zu bereiten, wie es im Schatten von Heroin und Mohnkapseltee nur geht. Adrian hat eine ausgeprägte Fantasie, in die er sich gerne flüchtet – auch, wenn in seinen Träumen oft die Monster lauern. Kein Wunder, im Rausch flippen die Erwachsenen oft aus und tun schreckliche Dinge, manchmal sterben sie sogar. Trotzdem kämpft Helga wie eine Löwin um ihren Buben, versucht, ihm die beste aller Welten zu bieten, auch wenn sie ahnt, dass sie – wenigstens vorläufig – scheitern muss …

Bitte keine Missverständnisse: Was so klingt wie der übliche heimische Dramenmix aus Ausgrenzung, Depression und Ausweglosigkeit in graugrün, ist tatsächlich einer der besten und intensivsten Filme, die in den letzten Jahren in Österreich produziert wurden. Der blutjunge Regisseur Adrian Goiginger, 26, vor einigen Jahren für seinen Kurzfilm ‚Äitsch‘ (der das Drogenschicksal seines Vaters behandelte) von TV-MEDIA mit einem Preis ausgezeichnet, hat auch hier seine Kindheit verarbeitet: Null Anklage, keine politisch korrekte Opferpose, kein erhobener Zeigefinger Richtung Rand der Gesellschaft, aber auch keine Schönfärberei. Dazu oscarreife Leistungen aller SchauspielerInnen – hier hat jemand mit viel Erzähltalent, vor allem aber Empathie und noch mehr Fingerspitzengefühl seiner Mutter ein Denkmal gesetzt. Ein kleiner, reduzierter Film, der trotzdem seine epischen Momente hat und mit seinem wahren, Hoffnung machenden Ausgang größer als das Leben und damit Kino pur ist. Wenn es Goiginger gelingt, diese Qualitäten der Wahrhaftigkeit, Erzählfreude und Liebe zu seinen Figuren auch auf Stoffe abseits seiner Biografie zu übertragen, wächst da ein ganz Großer heran. Einer, den sich eines Tages wahrscheinlich Hollywood holen wird.

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