Der Wert des Menschen

Drama, F 2015

Thierry stemmt sich gegen den sozialen Abstieg

Thierry ist seit fast zwei Jahren arbeitslos. Gegen dieses Schicksal stemmt sich der 51-Jährige zwar mit aller Kraft, das Gesetz des Marktes ist jedoch gnadenlos. "Der Wert des Menschen" beschreibt in trockensten Bildern die Tristesse dieses sozialen Abstiegs und den Kampf eines Mannes, dabei seine Würde nicht zu verlieren. Am Freitag läuft der in Cannes prämierte Film in den heimischen Kinos an.

Regisseur Stephane Brize porträtiert in semidokumentarischen Bildern, die mit nüchterner Handkamera gedreht wurden und gänzlich ohne Musik auskommen, den Alltag Thierrys (Vincent Lindon), der mit seiner Frau und seinem behinderten Sohn an sich ein glückliches Leben lebt, sich jedoch erfolglos müht, erneut in den Arbeitsmarkt einsteigen zu können. In langen, schnittlosen Sequenzen zeigt "Der Wert des Menschen" das entwürdigende Prozedere der Bewerbungsgespräche, AMS-Termine und Schulungen. Bei einem Skype-Interview bleibt Thierrys Gesprächspartner etwa stets nur die Stimme aus dem Computer.

Hier verlässt sich wie in vielen anderen Szenen der Film ganz auf Vincent Lindon, der für seine Leistung 2015 in Cannes mit der Goldene Palme und vor wenigen Wochen mit dem Cesar gewürdigt wurde. Die gesamte Geschichte transportiert sich über sein Gesicht. Keine Ausfälle, keine Brandreden gegen das Elend der Welt lenken die Interpretation vordergründig. Obwohl sich Thierry mit den sozialen Ungerechtigkeiten konfrontiert sieht, kontrolliert er seine Empörung.

Anders als der heuer in Cannes gekrönte "I, Daniel Blake" von Ken Loach mit ähnlicher Thematik, verzichtet "Der Wert des Menschen" letztlich auf dramaturgische Entwicklungen, ist selbst nie wertend, sondern überlässt das Urteil ganz dem Zuschauer - auch wenn manche Szenen nur schwer zu ertragen sind. So lässt sich Thierry schließlich als Sicherheitsmann in einem Supermarkt anstellen und muss in dieser Funktion nicht nur die Kunden, sondern auch die Angestellten überwachen.

Hier schlägt die Stunde des übrigen Schauspielensembles, das in dem Sozialdrama vornehmlich aus Laien besteht - Arbeitern und einfachen Leuten, die im Grunde ihre eigene Rolle verkörpern. Umso härter ist für Thierry sichtlich das moralische Dilemma, Rentner und Kassierinnen zu denunzieren, die Kleindiebstähle aus der Not heraus begehen. Ein Dilemma, dem er so nüchtern, klar und am Ende menschlich begegnet, wie er sein gesamtes Leben lebt.

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