Der Trafikant

Drama, Deutschland, Österreich 2018

Der Trafikant

Regisseur Nikolaus Leytner setzt das Buch von Robert Seethaler in zwei behutsam erzählte, etwas aus Zeit und Umständen gefallene anspruchsvolle Kinostunden um.

„An einem Sonntag im Spätsommer des Jahres 1937 zog ein ungewöhnlich heftiges Gewitter über das Salzkammergut, das dem bislang eher ereignislos vor sich sich hintröpfelnden Leben Franz Huchels eines ebenso jähe wie folgenschwere Wendung geben sollte.“ Mit diesem Satz beginnt der 2012 erschienene, von der Kritik hochgelobte (Elke Heidenreich: „Zart, leise, sanft und poetisch – eine kleine Kostbarkeit mit einer stimmigen Geschichte“) Roman Der Trafikant von Robert Seethaler.

Worum geht es in Der Trafikant?

An besagtem Tag nämlich stirbt der reiche und großzügige Liebhaber von Franz’ Mutter Margarete (Regina Fritsch), einer einfachen, aber lebensfrohen Servierkraft – er ertrinkt nach einem Herzschlag im Attersee. Weil damit die monatlichen Zuwendungen künftig entfallen und der bislang von den Härten des Lebens verschonte Bub mit seinen zarten Händen kaum wie seine Altersgenossen im Wald oder im Salzbergwerk arbeiten kann, bleibt nur eine Lösung: Er wird in den Zug nach Wien gesetzt. Dort soll er in der Trafik eines alten Freundes der Mutter eine Lehre beginnen und künftig auf eigenen Beinen stehen. Besagter Otto Trsnjek (Johannes Krisch) ist ein ein- und raubeiniger Invalide des Ersten Weltkriegs, der sein winziges Geschäft im neunten Bezirk auf der Währinger Straße betreibt. Und er bringt dem Landei gleich einmal bei, was wichtig ist: Zeitungen verkaufen bedeutet, Zeitungen auch zu lesen. Zigaretten sind für die Sucht, aber Zigarren der reinste Genuss.

Sigmund Freud und seine Zigarren

Und diskret hat so ein Trafikant zu sein, wenn ein Kunde etwas von den freizügigen Druckwerken haben möchte, die in der besonderen Lade bereitliegen. Franz ist bald fasziniert von diesem kleinen Universum, in dem kleine Leute und sozialistische Revolutionäre ebenso verkehren wie Berühmtheiten. Stammkunde bei Otto Trsnjek ist nämlich auch der gleich um die Ecke in der nahen Berggasse wohnende Sigmund Freud (Bruno Ganz), der hier seine Zigarren zu kaufen pflegt. Für die einen ein Genie von Weltformat, das die Psychotherapie erfunden hat, für die anderen der jüdische Deppendoktor. Tatsächlich kommen sich Franz und Freud persönlich näher, als der Professor eines Tages seine Zigarren in der Trafik vergisst und der Bub sie ihm nachbringt. Freud ist höchst erfreut über den neugierigen und offenen jungen Mann ...

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