Der Tiger und der Schnee

Komödie/Drama, I 2005
Benigni kämpft im Irak um die Liebe seines Lebens

Benigni kämpft im Irak um die Liebe seines Lebens

Mit "Das Leben ist schön" hat Roberto Benigni 1997 Riesenerfolge gefeiert, mit "Pinocchio" landete er fünf Jahre darauf einen herben Flop. Nun kommt der italienische Regisseur und Schauspieler mit "Der Tiger und der Schnee" ins Kino. Trotz Kitsch und Übertreibung - wie der Oscar-Preisträger sein Märchen um Liebe und Verantwortung in den Irak-Krieg einschreibt, ist unübertroffen.

Dass es sich um ein Märchen handelt, das uns Benigni erzählt, steht von Anfang an außer Zweifel: In einer alten Kirchenruine spielt Tom Waits (nicht nur sich selbst, sondern auch) einen eigens für den Film komponierten Song, Benigni selbst tritt in seiner Rolle als Attilio in komplett weißer Unterwäsche vor eine fiktive Hochzeitsgesellschaft und wartet auf seine Braut Vittoria, die ihm eine umwerfende Liebeserklärung macht. Natürlich ein Traum: Vittoria (Benigni-Ehefrau Nicoletta Braschi) will eigentlich nichts mit ihm zu tun haben - da müsste schon ein Tiger im Schnee vor ihr auftauchen, lässt sie Attilio wissen.

Doch Attilio, ein naiver Poet und hoffnungsloser Romantiker, lässt nicht locker und versucht unermüdlich, Vittoria von seiner Liebe zu überzeugen. Er lebt in seiner eigenen Welt dahin, in der Realität sieht es indes trist aus: Friedensdemonstrationen auf den Straßen, der Irak-Krieg naht. Vittoria fährt trotzdem mit dem berühmten irakischen Dichter Fuad (überzeugend: Jean Reno) nach Bagdad, um dort ihre Biografie über ihn fertig zu stellen.

Ähnlich wie Benigni es schon bei "Das Leben ist schön" mit dem Holocaust geschafft hat, bindet er in "Der Tiger und der Schnee" den aktuellen Krieg spielerisch leicht in seine Geschichte ein. Vittoria wird in der irakischen Hauptstadt bei einem Bombenanschlag verletzt und liegt im Koma, Attilio setzt alle möglichen und unmöglichen Mittel ein, um sie zu retten. Hier holt den Dichter die Realität ein: Wird er in Rom beinahe von einer übergroßen Friedensfahne erschlagen, tappt er in Bagdad schon ganz von alleine durchs Minenfeld.

In dieser heiklen Situation entwickelt Benigni die grotesk-komische Stärke, die ihn berühmt gemacht hat. Sei es die Straßenkontrolle amerikanischer Soldaten, sein Fund einer Massenvernichtungswaffe im Krankenhaus oder sein Umgang mit den Einwohnern der Stadt: man lacht mit ihm mit, man leidet mit ihm mit und vor allem - man denkt mit ihm mit. Der Traum, mit dem der Film begann und der in verschiedenen Variationen wiederkehrt, verblasst immer mehr, bis nur noch die Musik zu hören ist bzw. der Traum schließlich ganz zur Realität wird.

Benigni erweist sich als wohl einer der größten Leinwandmärchen-Erzähler seiner Zeit. Der Soundtrack mit dem wunderschönen Song von Tom Waits tut sein Übriges.

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