Der Schaum der Tage

Drama/Fantasy, F/B 2013
Audrey Tautou und Romain Duris im Schaum der Liebe

Audrey Tautou und Romain Duris im Schaum der Liebe

Einmal mit einem Wolken-Karussel quer durch Paris? Kein Problem für Frankreichs Filmfantasten Michel Gondry. In seinem neuen Kinowerk "Der Schaum der Tage" zeigt er das Auf und Ab von zwei Verliebten. Dabei tobt sich Gondry mit skurrilen Verwirrungen aus.

Michel Gondry ist zurück im cineastischen Reich der Träume. Vor zwei Jahren mühte sich der französische Regisseur mit dem actionlastigen Comic-Klamauk "The Green Hornet" (2011) erfolglos in Hollywoods Blockbuster-Maschinerie. Nun präsentiert er mit "Der Schaum der Tage" einen sehr französischen Stoff: die Verfilmung von Boris Vians gleichnamigen Roman von 1946. In der Tradition des Surrealismus erzählt das Drama von einem Pariser Pärchen, das sich verliebt und dann gemeinsam zugrunde geht. Frankreichs Vorzeige-Strahlefrau Audrey Tautou ("Amélie") darf zunächst breit lächeln und muss dann rehäugig den Leinwand-Tod sterben.

Der Franzose Gondry kennt sich aus in der visuellen Darstellung von skurrilen Einfällen. Im oscarprämierten "Vergiss mein nicht!" (2004) wurden den Figuren ihre schmerzlichen Erinnerungen wegoperiert, in "The Science of Sleep - Anleitung zum Träumen" (2006) vermischten sich Traum und Realität.

In seiner Verweigerung der schnöden Wirklichkeit geht Gondry nun einen Schritt weiter: Er verzichtet weitgehend auf realen Bezug und erklärt eine skurrile Traumwelt kurzerhand zur Normalität. Klaviere werden zu Cocktail-Mischmaschinen, Mäuse zu Küchengehilfen und Seerosen zu todbringenden Geschwüren. Spielzeugwürfel dienen als Terminkalender, Schuhe bekommen ein Eigenleben und laufen von dannen. Ein an Fantasie prall besetztes Bild reiht sich an das andere. Wolken werden zu Luftschiffen, Beine wachsen im Tanzrhythmus nach.

Der Bilderreigen bewegt sich hart an der Grenze zur visuellen Überdosis. Einen schlüssigen Plot gibt es nicht. Das steht im Einklang mit den Traumwelten des Surrealismus, die der rationalen Logik den Kampf ansagten. Im Film verändert sich die Grundstimmung allmählich. Der Wechsel von illustren Fantasiefreuden zum hoffnungslosen Leiden einer Sterbenden korrespondiert letztlich mit Frankreichs Literaturszene der 1940er Jahre, die nach dem Weltkriegs-Trauma vom Existentialismus und von dessen ängstlich-verzweifelter Sinnsuche erfasst wurde. Jean-Paul Sartre darf karikaturesk als eine Art Sonnenkönig ein Bad in der Menge nehmen.

Regisseur Gondry reiht einen schrägen Einfall an den anderen. Wer als Zuschauer staunen will über eine bizarre Sicht auf die wundersame Welt, sollte ein Bad im "Schaum der Tage" nehmen. Wer hingegen lieber prosaisch auf dem Boden der Tatsachen bleibt, dem dürfte in dem Skurrilitätenkabinett doch etwas schwindelig werden.

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