Der Prozess

Dokumentation, A 2011

In TV und Kino finden: Gerald Igor Hauzenberger

Schauplatz Gericht

Schauplatz Gericht

Beklemmende Wahrheiten und Hintergründe über das Verfahren gegen 13 Tierschützer wegen Beteiligung an einer kriminellen Organisation offenbart der Dokumentarfilm "Der Prozess" von Gerald Igor Hauzenberger. Im Mai 2010 wurden alle Angeklagten nach 14 Prozessmonaten freigesprochen, die Staatsanwaltschaft kündigte aber bereits tags darauf Berufung an - worauf auch der Film an seinem Ende hinweist.

"Der Prozess", bei der heurigen Viennale als beste österreichische Doku preisgekrönt, startet mit Einblicken in die Arbeit der Tierschützer, zeigt auch, wie sie dabei attackiert werden und mit der Polizei in Kontakt kommen. Auch das Filmteam stößt auf wenig Gegenliebe, mehrfach wird die Zerstörung der Kamera angedroht, die Polizisten warnen in "Wir dürfen alles"-Manier vor der Beschlagnahmung. In diesen Szenen stellen sich Film und Zuseher automatisch auf die Seite der Aktivisten. Bilder von angeschossenen und verendenden Tieren, von lachenden Jägern, die noch zuckende Tiere an den Hinterbeinen hochhalten, werden die meisten Menschen wohl nicht kalt lassen.

Einige der Angeklagten nehmen ausführlich Stellung, geben Einblicke in ihr Leben. Nicht jeder Zuseher wird sich mit den Hardcore-Tierschützern und ihren Einstellungen anfreunden können, zu befremdend mag deren Lebensweise auf den Durchschnittsbürger wirken. Ausschnitte aus selbst gefilmten Videos von den nach den Hausdurchsuchungen völlig verwüsteten Wohnungen sorgen aber dennoch für Ratlosigkeit.

Neben den Tierschützern kommen auch Politiker zu Wort, Amnesty International Österreich-Generalsekretär Heinz Patzelt gibt seine Einschätzung ab, die Linzer Strafrechtsprofessorin Petra Velten erklärt Hintergründe und Entstehung des Verfahrens. Viel Raum nimmt die Kritik am Mafia-Paragrafen 278a ein. Von direkt beteiligter staatlicher Seite wurde dagegen jegliche Stellungnahme verweigert. Weder das Innenministerium wollte etwas zu dem Fall sagen, noch wurden Interviews mit Soko-Mitgliedern genehmigt.

Was vielleicht ein wenig fehlen mag, ist eine erklärende Stimme aus dem Off. Obwohl von den handelnden Personen und durch Texteinblendungen einiges erklärt wird, bleibt die Frage, ob sich auch jene wirklich auskennen, die den Film völlig ohne Vorwissen anschauen - sofern das überhaupt passieren mag. Eines ist "Der Prozess" mit Sicherheit: etwa zwei Stunden dokumentierte Zeitgeschichte, die auch in Zukunft noch für Kopfschütteln sorgen wird.

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