Der Name der Leute

F 2010
Bahia geht einen ungewöhnlichen Weg

Bahia geht einen ungewöhnlichen Weg

In der Komödie "Der Name der Leute" macht sich eine linke Aktivistin an politische Gegner heran, indem sie mit ihnen schläft. Ein Film, hinter dessen genüsslicher Fassade sich Fragen hochpolitischer Brisanz verstecken.

Bahia Benmahmoud ist mit Leib und Seele linke Aktivistin. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Um Faschisten, Neoliberale und Reaktionäre zu konvertieren, geht sie mit ihnen ins Bett, treu dem Motto folgend: "Make love, not war". Bei gemäßigten Rechten reicht eine Nacht, bei hartgesottenen Rassisten erfordert der Gesinnungswechsel mehrere Wochen. Mit "Der Name der Leute" ist Michel Leclerc eine charmante Komödie mit gesellschaftskritischen Untertönen gelungen, die sich in die Tradition der absurd-intellektuellen Komödien des Altmeisters Woody Allen einreihen lässt.

Bahia (Sara Forestier) erkennt ihre Opfer an den Namen. Als sie Arthur Martin (Jacques Gamblin) begegnet, hält sie den steifen Veterinärmediziner für einen typischen Rechten. Hinter dem blassen Anzugträger versteckt sich zwar eine etwas verklemmte Persönlichkeit, doch Martin ist Anhänger des sozialistischen Politikers Lionel Jospin - und politisch auf ihrer Wellenlänge. Mit Martin hat Bahia bald ein anderes Problem: Sie verliebt sich in den deutlich älteren Mann.

Im Mittelpunkt der genüsslichen Komödie geht es um die bestimmende Kraft von Namen. Namen legen Herkunft und Identität fest und sind Spiegelbild zahlreicher Klischees. In diesem Sinn versteht sich der Film als Protest gegen Herkunftsanalysen und Pauschalisierungen und spricht ein hochsensibles politisches Thema an: Die Frage nach nationaler Identität und Rassismus.

Problematisiert wird aber auch der Einfluss der Herkunft auf den Charakter: Bahia ist das Ebenbild ihrer Sponti-Mutti, die versucht, Franzosen zu Scheinheiraten mit Einwanderern zu überreden. Sie setzt in gewisser Weise die politische Arbeit ihrer Mutter fort, die mit einem algerischen Arbeiter verheiratet ist. Martin dagegen ist ruhig, diskret und geradezu unterwürfig, geprägt durch die Vergangenheit seiner jüdischen Familie. Erst durch die Begegnung mit Bahia lebt Martin auf und legt seine Verklemmtheit ab.

Der Film ist gespickt mit witzigen Dialogen und amüsanten Szenen und wehrt sich gegen politische Zuspitzung. Leclerc entscheidet sich letztendlich für die Liebesgeschichte des ungleichen Paars, das hervorragend durch Forestier - spritzig und extravertiert - und Gamblin - schüchtern und beklommen - verkörpert wird. "Der Name der Leute" ist eine Komödie in bester Woody Allen-Manier: humorvoll, leicht überzeichnet, intellektuell geprägt und mit gesellschaftspolitischem Grundthema.

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