Der letzte Tanz

A 2013
Erni Mangold brilliert in einer Hauptrolle

Erni Mangold brilliert in einer Hauptrolle

Eine innige Beziehung zwischen einem jungen Zivildiener und einer betagten Alzheimerpatientin hat für sie neue Lebensfreude, für ihn gesellschaftliche Ablehnung zur Folge. In "Der letzte Tanz" nimmt sich Regisseur Houchang Allahyari dem Tabu Sexualität im Alter an, verurteilt ein repressives Rechtssystem und besetzt die grandiose Erni Mangold in einer gewagten Rolle.

Als Karl (Daniel Sträßer) in seiner Wohnung überraschend verhaftet wird, ist er sich keiner Schuld bewusst. In Untersuchungshaft angekommen, sieht er sich scheinbar willkürlicher Polizeigewalt und dem Unverständnis des Gerichtspsychiaters (Allahyari) ausgesetzt. Während die Mutter (Marion Mitterhammer) zuhause verzweifelt, will sein Anwalt (Viktor Gernot) auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren. Zu abwegig scheint es für sein Umfeld, was er getan hat - von einem Sexualdelikt ist die Rede, und dem Ausnutzen eines Abhängigkeitsverhältnisses.

Drei Monate zuvor: Karl tritt seinen Zivildienst an der geriatrischen Abteilung im Krankenhaus an. Während er privat eine Beziehung mit einer ehemaligen Schulkollegin beginnt, freundet er sich mit der Alzheimerpatientin Frau Eckert (Mangold) an. Von Ärztinnen und Krankenschwestern - "Giftmischern" - als unbequem empfunden, fühlt sie sich von Karl verstanden, lässt sich vorlesen, Musik vorspielen, scherzt mit ihm. Karls Zuwendung scheint in ihr neue Lebensfreude zu wecken. Die beiden nähern sich schließlich an, emotional wie körperlich. Bis eine Kollegin hereinplatzt - und so auch die gesellschaftliche Realität.

Sexualität im Alter, markanter Altersunterschied, Vorverurteilung in der Gesellschaft und vor Gericht, Entmündigung von Patienten, obsessive Mutter-Sohn-Beziehung aufgrund fehlendem Vater: Der gelernte Psychiater Allahyari packt zahlreiche Themen in seinen Film, der vor allem von der überragenden Volksschauspielerin Erni Mangold getragen wird. Ohne Scheu zeigt sich die 87-Jährige vor der Kamera nackt, verletzlich, erst trotzig und leidend, dann wie ein Teenager verliebt kichernd oder mit Kopfhörern im Ohr den Krankenhaus-Gang entlang tänzelnd.

Bei der diesjährigen Diagonale wurde Mangold mit dem Großen Schauspielpreis, Allahyari mit dem Preis für den besten Spielfilm ausgezeichnet.

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