Der letzte Jude von Drohobytsch

Dokumentation, A/UK 2011
Alfred Schreyer erzählt aus seiner Vergangenheit

Alfred Schreyer erzählt aus seiner Vergangenheit

Das Leben oder besser die Geschichte hat dem heute 89-jährigen Alfred Schreyer übel mitgespielt - und doch hat der letzte Jude und Überlebende der Shoa im ukrainischen Drohobytsch seinen Charme der alten Zeit und seinen spitzbübischen Humor behalten. Diesen hält der österreichische Filmemacher Paul Rosdy in seinem neuesten Werk "Der letzte Jude von Drohobytsch" fest. Ab Freitag im Kino.

In der Gesprächsdokumentation entführt der eloquente Schreyer den Zuschauer in die untergegangene Welt seiner Jugend. Die Kamera begleitet den rüstigen Rentner beim Gang zu den einstig jüdischen Orten Drohobytschs, das bis 1918 Teil des österreichischen Galiziens war. In seiner charakteristischen, ebenfalls im Verschwinden begriffenen Mischung aus jiddischem und österreichischem Deutsch führt Schreyer durch die Ruinen der einstigen Synagoge, zum jüdischen Friedhof, der gesichtslosen Plattenbauten weichen musste, und berichtet in der Schule von seinem damaligen Lehrer, dem ebenfalls aus Drohobytsch stammenden Autor Bruno Schulz.

Schreyer selbst, dessen Familie im Holocaust ermordet wurde, überlebte eine Odyssee durch verschiedene Arbeitslager und KZs nur dank seiner Jugend. Nach dem Krieg kehrte er in sein Heimatstädtchen zurück und verdiente dort sein Geld als Sänger und Geiger im örtlichen Kinoorchester, wo er auch seine spätere Frau kennenlernte. Zuletzt arbeitete er Jahrzehnte als Musiklehrer. Folgerichtig strukturiert Rosdy seine mit alten Fotografien eher konventionell gegliederte Geschichtsstunde mit jiddischen Liedern von Schreyer und seinen Musikern.

Der gesamte Film wurde in nur zwölf Tagen mit einem Fotoappart abgedreht. Entsprechend sticht das Stricken mit heißer Nadel dem Zuschauer bisweilen ins Auge, wenn wiederholt das Mikro ins Bild oder der Zoom verwackelt gerät. Und doch gelingen dem Werk berührende Momente, wenn Schreyer den Filmemacher durch den Wald von Bronitza führt, in dem riesige Platten über Massengräbern an die dortige Erschießung von 11.000 Juden durch die Deutschen 1943 erinnern. Hernach lässt Schreyer ein letztes Mal ein Lied erklingen - das einzige, das er selbst je komponiert hat: "Bronitza Wald".

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