Der Letzte der Ungerechten

Dokumentation, F/A 2013
In vielerlei Hinsicht ein erstaunlicher Film

In vielerlei Hinsicht ein erstaunlicher Film

Für Viennale-Leiter Hans Hurch war es "der zentrale Film" des vergangenen Festivals: Die Doku "Der Letzte der Ungerechten" von Claude Lanzmann, hat auch sonst einige Wien-Bezüge. Der im Mittelpunkt stehende Benjamin Murmelstein (1905-1989) war Funktionär der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, in einigen Aufnahmen ist auch das Wien von heute zu sehen.

"Der Letzte der Ungerechten" ist ein in vielerlei Hinsicht erstaunlicher Film. Erstaunlich ist etwa, dass es Lanzmann bei den Recherchen zu seinem epochalen "Shoah"-Film nicht nur gelang, mit dem damals in Rom lebenden Murmelstein den einzigen Überlebenden der von den Nazis eingesetzten "Judenältesten" aufzutreiben, sondern auch dass er ihn dazu brachte, vor der Kamera Rede und Antwort zu stehen. Erstaunlich, dass der damals 49-jährige Filmer seinen umstrittenen Gesprächspartner nicht hartnäckiger mit jenen Vorwürfen konfrontierte, die ihn als Kollaborateur brandmarkten, sondern vor allem Witz, Eloquenz und Intelligenz seines Gegenübers einfing. Und zuletzt ist auch erstaunlich, wen Claude Lanzmann als dritten Protagonisten für seinen 218-minütigen Film gewählt hat: sich selbst, fast 40 Jahre danach.

Die über den Dächern Roms gedrehten Interviewpassagen sind mit heutigen Aufnahmen, vor allem aus Theresienstadt und Wien, ergänzt, bei denen immer wieder der Filmemacher selbst ins Bild kommt - lange Passagen zitierend, Zusammenhänge erklärend, auf die Bedeutung der besprochenen Ereignisse hinweisend. "Es ist auch ein Film über mich", hat Lanzmann im APA-Gespräch zugegeben, und angemerkt, dass es durchaus auch Courage bedürfe, sich in einem Film mit seinem eigenen, jugendlichen Bild von einst zu konfrontieren.

Lanzmann hat auch einige Dokumentarfotos von einst, Zeichnungen von KZ-Häftlingen, aber auch Ausschnitte jenes 1944 von den Nazis gedrehten Theresienstadt-Propagandafilms verwendet, in dem die böse Farce des "Vorzeige-KZs" zur Täuschung der Weltöffentlichkeit kulminierte. "Der Film ist ein wichtiges Dokument", meint der Wiener Autor Doron Rabinovici, der sich als Historiker mit Murmelstein auseinandergesetzt hat. "Es gab keine Möglichkeit, da nicht mitzutun", ist er überzeugt und verweist im Gegenzug auf die 120.000 Wiener Juden, deren Ausreise Murmelstein vor seiner Deportation ermöglicht habe.

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