Der kleine Prinz

Fantasy, F 2015

Das kleine Mädchen erfährt vom kleinen Prinz

"Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry ist ein Welterfolg. Nun kommt von US-Regisseur Mark Osborne ("Kung Fu Panda") ein Animationsfilm ins Kino, der den Zauber der Geschichte auf die Leinwand bringt. Ein wunderschönes Filmkunstwerk, das zu Herzen geht.

"Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Das ist der wohl berühmteste Satz aus Antoine de Saint-Exupérys Kinderbüchlein "Der kleine Prinz". Die traurige, kluge Geschichte der poetischen Freundschaft zwischen einem Bruchpiloten und einem heimwehkranken Buben von einem fernen Asteroiden rührt Menschen in aller Welt. Mehrfach wurde sie schon verfilmt, auch als TV-Serie. Nun hat sich Mark Osborne an das berühmte Stück französischer Literatur gewagt. Sein Kinowerk ist liebevoll animiert und wunderschön erzählt, mal komisch und mal melancholisch. Ein kleines Filmkunstwerk, das zu Herzen geht und kleine wie große Zuschauer verzaubert.

Eingebettet ist die Geschichte in eine Rahmenhandlung: Ein Mädchen ist in den Sommerferien zum Pauken verdammt. Es soll an einer Eliteschule aufgenommen werden. Ein Leben zwischen Erfolg und Effizienz. Doch der strikte Lernplan der ehrgeizigen Mutter gerät durcheinander, als die Tochter sich mit dem Nachbarn anfreundet, einem alten verschrobenen Mann in einem verwinkelten Haus und mit einem klapprigen Flugzeug im Garten. Die Kleine ist fasziniert von seinen Geschichten über einen Prinzen, den er bei einer Notlandung in der Wüste kennengelernt hat. Heimlich lässt sie ihre Bücher im Stich und lauscht gebannt den Erzählungen von einer wundersamen Begegnung und ihrem traurigen Ende.

Nur mit einem will sich das Mädchen nicht abfinden: Dass der heimwehkranke Prinz sich von der gefährlichen Giftschlange beißen lässt. Hier schreibt der Film die Geschichte des Buches fort. Die Kleine ist fest überzeugt, dass der Prinz noch irgendwo lebt. Mutig geht sie selbst auf eine fantastische Reise zu fernen Planeten, um ihn zu finden. Dabei greift der Film viele Elemente des Buches auf: Da ist der schlaue Fuchs, der beste Freund des Prinzen, gesprochen von Matthias Schweighöfer. Die stolze Rose, die der Prinz über alles liebt. Der Planet mit dem Geschäftsmann, der nur Zahlen kennt. Oder der eitle Geck, der ständig Applaus haben will.

Osborne gelingt das Kunststück, die Poesie und die Melancholie des weltweit mehr als 145 Millionen Mal verkauften Buches auf die Leinwand zu bringen. Wie der Autor beschwört er den Zauber der Kindheit. "Wahrscheinlich ist die Welt einfach zu erwachsen geworden", stellt der alte Mann im Film ernüchtert fest. Seine Erzählungen und Zeichnungen sind ein Gegenentwurf zum Streben nach Perfektionismus. Vielleicht nimmt sich der Film etwas viel Zeit, um die ambitionierten Ziele der Mutter einzuführen, die nichts dem Zufall überlässt, wenn es um ihre Tochter geht. Doch spätestens wenn das Mädchen in die abenteuerliche Geschichte eintaucht und selbst Planeten und Asteroiden mit ihren verrückten Bewohnern erkundet, ist der Zauber wieder da.

Was den Kinofilm so poetisch macht, ist nicht nur die Geschichte. Es sind vor allem auch die Bilder, vorwiegend in 3D-Optik animiert. Dazwischen gibt es wunderbare Sequenzen aus der Welt des kleinen Prinzen, mit kunstvollen Papierfiguren, die in Stop-Motion-Technik in Szene gesetzt wurden.

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