Der kleine Nick

Komödie/Family, F 2009
Ein Kinderbuchklassiker ganz groß

Ein Kinderbuchklassiker ganz groß

Die witzigen Kinderbuchgeschichten des "Kleinen Nick" sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Fünfzig Jahre nach dem ersten Abenteuer der bekannten Figur von René Goscinny und Jean-Jacques Sempé wird dem frechen Strichmännchen erstmals Leinwandleben eingehaucht. "Den Film mit dem Buch zu vergleichen, ist sinnlos", warnt jedoch der 78-jährige Zeichner Sempé die Fans des Klassikers. Zu Recht.

Der Film erhebt nicht den Anspruch, eine Eins-zu-Eins-Übertragung der naiven Alltagsabenteuer zu sein. Dennoch ist es Regisseur Laurent Tirard gelungen, Witz, Ironie und Komik der herzerwärmenden Lausbubengeschichten wiederzugeben. Der kleine Nick ist mit seinem Leben rundum zufrieden. Seine Lehrerin ist prima, mit seinen Klassenkameraden hat er viel Spass und seine Eltern sind die besten der Welt, auch wenn sie sich oft streiten.

Doch eines Tages belauscht er eines ihrer Gespräche und glaubt verstanden zu haben, dass seine Mutter schwanger ist. Das ist gar nicht gut, denn seit einer von Nicks Freunden ein Brüderchen bekommen hat, dreht sich dort alles nur noch um den Neuankömmling. Vor diesem Schicksal hat Nick Angst und heckt mit seinen Freunden einen tollkühnen Plan aus. Die Geschichten des kleinen Nick spielen Anfang der 1960er Jahre. An diese Zeit hält sich der Regisseur.

Nick und sein Freunde, der verfressene Otto, der rauflustige Franz und der Klassenstreber und Lehrerliebling Adalbert klettern auf Bäume und sind ausgekochte, doch brave Schlitzohren im Stil von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Nick trägt Schuluniform, Kniebundhosen und Kniestrümpfe, und seine Eltern gehören zum aufstrebenden Kleinbürgertum mit Waschmaschine und sind stolze Besitzer eines Peugeot 404. Ein gelungenes Epochenporträt, in das Tirard viel Liebe zum Detail gesteckt hat. Der Film will kein Ersatz für das Kinderbuch sein und sich auch nicht an ihm messen lassen. Deshalb hat sich der Regisseur mit seinem Drehbuch auch nicht sklavisch an die Originaltexte von Goscinny gehalten, was eingefleischte Nick-Fans enttäuschen könnte.

Nick ist bei Goscinny der Haupterzähler, was den Geschichten ihren naiven Charme verleiht. Tirard hingegen spart mit den kindlichen Off-Kommentaren, wodurch Nick teilweise zum stillen Zuschauer wird. Dadurch verlieren viele Szenen, vor allem die, bei denen sich Nicks Eltern streiten, die ungefilterte Sichtweise des kleinen Lausbuben. Figuren und Stimmung des Films erinnern an die humoristischen Filme von Jacques Tati. Vor allem die Eltern von Nick (Kad Merad und Valérie Lemercier) sind von brüllender Komik. Die Szenen sind witzig, ironisch und originell. Gleichzeitig kommt eine gewisse Sehnsucht nach einer heilen Welt auf, an die sich wohl viele der heute erwachsenen Fans gerne zurückerinnern. Damit bleibt die Realverfilmung des Buchklassikers ein Kinogenuss für Kinder und Erwachsene.

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