Der Kameramörder

Thriller, A/CH/H 2010
Der Urlaub wird zum Albtraum

Der Urlaub wird zum Albtraum

Robert Adrian Pejos "Der Kameramörder" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Glavinic. Das Psychodrama handelt von zwei Paaren, die während eines Urlaubs durch ein auftauchendes Snuff-Video einen Albtraum durchleben. Der Film des rumänisch-österreichischen Regisseurs Pejo eröffnete die diesjährige Diagonale.

Ostern am Neusiedlersee: Thomas (Merab Ninidze) hat mitten im Schilf ein Designerhaus erreichten lassen, wohin er mit Freundin Sonja (Dorka Gryllus) Bekannte einlädt: Seinen alten Kumpel Heinrich (Andreas Lust, "Der Räuber") und dessen Ehefrau Eva (Ursina Lardi) mit der Thomas mehr als Freundschaft verbindet. Bereits zu Beginn lässt sich erahnen, dass hinter den Freundlichkeiten eine gewisse Bedrohlichkeit allgegenwärtig ist. Als ein mysteriöses Snuff-Video auftaucht, auf dem Kinder in unmittelbarer Nähe des Hauses gequält werden, kippt die Stimmung gänzlich. Schritt für Schritt verändert sich die Welt der vier Personen, immer mehr zeigt sich, wie brüchig die Fassaden sind. Irgendwann beschuldigt jeder jeden - doch für die Polizei gilt als Hauptverdächtiger der undurchsichtige Zyniker Heinrich, der sich als Fan von Snuff-Videos outet.

Die Sprache ist vor allem zu Beginn sehr künstlich, das Kinder-Thema omnipräsent, die Atmosphäre nie sonderlich entspannt. Doch mit jedem neuen Verdacht - sei es ein aufgetauchter roter Gummistiefel, seien es tote Katzen oder eine versteckte Kamera - weicht die Offensichtlichkeit der Konstruktion ein wenig und steigt die Anspannung in der Gruppe. Die Inszenierung hinterlässt das Gefühl, dass jederzeit etwas Grobes passieren könnte. Aus dem Drama wird ein Thriller, der ganz den Genre-Konventionen vergleichbarer US-Vorbilder folgt.

Dass man schließlich trotzdem etwas unbefriedigt aus dem Kino geht, hängt wohl auch damit zusammen, dass Pejo nicht das geringste Interesse zeigt, diesen Konventionen am Ende auch nachzugeben. "Man geht mit einer gewissen Erwartungshaltung rein, aber diese wollte ich auch brechen", erzählte Pejo im Gespräch mit der APA. "Der Film handelt auch davon, was in unseren Köpfen vorgeht" - und funktioniert über diese emotionale Verquickung quasi auch als Spiegel der Gesellschaft.  

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