Der fremde Sohn

Krimi/Drama, USA 2008
Die Polizei denunziert die junge Mutter

Die Polizei denunziert die junge Mutter

Es ist ein ungeheuerlicher Fall, den Drehbuchautor J. Michael Straczynski in alten Polizeiakten fand: Als im Los Angeles der 20er Jahre der kleine Sohn einer allein erziehenden Mutter spurlos verschwindet, bringt ihr die Polizei einige Zeit später einen fremden Burschen zurück. Die Geschichte um Gerechtigkeit, Wahrheit und Mutterliebe hat Regisseur Clint Eastwood auf einfühlsame Weise verfilmt.

Basierend auf wahren Begebenheiten spielt Angelina Jolie die junge Mutter Christine Collins, deren neunjähriger Sohn Walter eines Tages plötzlich verschwindet. Nach monatelangem Bangen scheint das Grauen endlich ein Ende zu haben: Die Polizei verkündet Christine, sie habe ihren Buben gefunden. Doch beim Abholen auf dem Bahnhof merkt die Mutter sofort, dass dies nicht ihr Sohn ist. Da die Polizei jedoch unter Erfolgsdruck steht, drängt sie Christine dazu, den Buben als ihren aufzunehmen.

Als Christine jedoch nicht aufgibt nach Walter zu suchen, denunziert die Polizei die tapfere Frau als Hysterikerin mit Wahnvorstellungen und steckt sie wegen ihrer unbeirrten Fragen in die Psychiatrie. Nur der engagierte Pfarrer Gustav Briegleb (John Malkovich) lässt sich von der Polizei nicht einschüchtern und unterstützt Christine bei der scheinbar aussichtslosen Suche nach ihrem Sohn.

"Der fremde Sohn" setzt dabei ganz auf Angelina Jolie, die fast jede Szene des Films beherrscht. Jolie scheint in ihrer Rolle als kämpferische Mutter aufzugehen. Sie schreit und heult, sie kämpft und wehrt sich. Tatsächlich hat sie die Geschichte persönlich berührt, wie sie bei den Filmfestspielen in Cannes erzählte. "Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen als ein Kind zu verlieren, vor allem, wenn man nicht weiß, was dem Kind passiert ist."

Clint Eastwood inszeniert "Der fremde Sohn" jedoch nicht einfach als Drama um eine Frau, die sich gegen die übermächtige Bürokratie wehrt. Auf ein Genre lässt sich der Film, für den Eastwood auch die Musik komponierte, nämlich nicht festlegen: Was als nervenzerreibender Thriller beginnt, geht in ein beklemmendes Psychodrama und einen Politfilm über, bevor schließlich wie in einem Gerichtsfilm für Gerechtigkeit gesorgt wird.

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